Neubau des Sonderkrankenhauses der Spattstrasse wird eröffnet


Das Sonderkrankenhaus für Kinder- und Jugendpsychiatrie ist ein in Oberösterreich einzigartiges Angebot. In 3 heilpädagogischen Wohngruppen werden jeweils 6 Kinder im Alter von 5 – 13 Jahren ganzjährig und rund um die Uhr betreut. Der Neubau des Sonderkrankenhauses wird am 16. Mai 2012 in Linz feierlich eröffnet.



„Wenn die Kinder ins Sonderkrankenhaus kommen, sind sie häufig frustriert, traurig und sehr verzweifelt. Sie und ihre Eltern kommen mit sich selbst und mit ihrer Welt nicht mehr zurecht. Die Ursachen dafür sind oftmals traumatische Erlebnisse wie z.B. psychische oder körperliche Gewalterfahrungen, sexuelle Übergriffe und Beziehungsabbrüche. Viele von den Kindern sind emotional vernachlässigt. Sie haben zwar ein Dach über dem Kopf aber kein „Zuhause“, in dem sie sich sicher und geborgen fühlen können“, erzählt Primar Dr. Michael Merl, der ärztliche Leiter des Sonderkrankenhauses.

Die seelischen Verletzungen der Kinder liegen so tief, dass häufig das Elternhaus, die Schule und auch andere Betreuungseinrichtungen damit überfordert sind. Die Behandlung dieser Verletzungen braucht mehr. Die Kinder benötigen eine intensive Auseinandersetzung. Es braucht medizinische, psychiatrische und therapeutische Versorgung, damit diese Verletzungen heilen können. Durch die Kleingruppen im Sonderkrankenhaus ist es leichter möglich, individuell auf jedes einzelne Kind einzugehen.

„Die Räume haben wir ganz bewusst zum Wohlfühlen gestaltet. Sie haben nicht den Charakter eines Krankenhauses sondern eher einer Familienwohnung. Helle, freundliche Räume mit Küche, Esszimmer, Wohnzimmer und einem eigenen Kinderzimmer für jedes Kind schaffen eine familienähnliche Atmosphäre. Wesentlich für den Alltag der Kinder im Sonderkrankenhaus ist die Gestaltung eines geregelten Tagesablaufes, der den Kindern Orientierung und Sicherheit gibt. Wenn ihnen der Rhythmus des Tagesablaufs und die Bezugspersonen vertraut sind, gelingt es ihnen leichter, ihren Alltag gut zu bewältigen. Dazu gehört der Schulbesuch, das Lernen, die Therapiestunden, Haushaltstätigkeiten und die Freizeitgestaltung“, erklärt Mag. Thomas Fux, der pädagogischwirtschaftliche Leiter des Sonderkrankenhauses.

Betreut werden die Kinder von Sozial- und HeilpädagogInnen mit intensiver medizinischtherapeutischer Unterstützung direkt im Haus. Jedes Kind ist anders, daher wird für jedes Kind ein individuell abgestimmter Behandlungsplan erstellt. Kinder- und Jugendpsychiater, klinische PsychologInnen, Psycho- und ErgotherapeutInnen, Logopädinnen und Lernförderinnen arbeiten mit den Sozial- und HeilpädagogInnen intensiv zusammen, damit die Genesung der Kinder gelingt.

1963 wurde das Zentrum Spattstraße gegründet. Die ersten 20 Jahre waren geprägt von der Arbeit mit Jugendlichen, die allgemein als verhaltensauffällig und schwierig bezeichnet wurden. Vor ca. 30 Jahren begann dann die intensive Arbeit mit Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten. Seit 1983 gibt es im Diakonie Zentrum Spattstraße das Sonderkrankenhaus für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Damit wurde in Oberösterreich eine Versorgungslücke geschlossen. Denn in den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Abteilungen von Kinderkrankenhaus oder Wagner-Jauregg-Krankenhaus konnten und sollten die Kinder nur begrenzte Zeit bleiben. Der Sprung von der intensiven Behandlung im Krankenhaus und dem Leben in der vertrauten Umgebung zu Hause war für manche aber viel zu groß. Diese Kinder brauchen eine medizinisch-therapeutische Behandlung und Betreuung für längere Zeit – in einer kindgerechten Wohlfühlumgebung. Die intensive Zusammenarbeit mit den Eltern ist ein Schwerpunkt der Arbeit. Nach durchschnittlich vier Jahren sind die Kinder meist psychisch, emotional und sozial soweit stabilisiert, dass sie wieder in ihre Familien zurückkehren können. Andernfalls wechseln sie in eine sozialpädagogische Einrichtung für Jugendliche.

Quelle und mehr Infos: www.spattstrasse.at


Veröffentlicht am:
13:29:00 09.05.2012

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