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1.Advent - Christus anziehen | Röm 13,11-1411 Und das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. 12 Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts. 13 Lasst uns ehrbar leben wie am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Unzucht und Ausschweifung, nicht in Hader und Eifersucht; 14 sondern zieht an den Herrn Jesus Christus und sorgt für den Leib nicht so, dass ihr in Begierden verfallt. Liebe Schwestern und Brüder! Die Lesung aus dem Römerbrief ist diesem ersten Sonntag in der Adventszeit zugeordnet, weil sie uns mahnt, dass der Nacht vorgerückt ist und der Tag nahe ist. Damit ist der Tag gemeint, an dem Jesus kommen wird, der Tag seiner Geburt, an den wir uns zu Weihnachten erinnern, genauso wie der jüngste Tag, wenn Jesus wiederkommen wird. Als Vorbereitung dazu sollen wir unser altes Leben, das mit Völlerei und Ausschweifung umschrieben wird, hinter uns lassen. Vielmehr sollen wir Christus anziehen. „Christus anziehen“, diesem Bild möchte ich heute nachgehen. Kann man Jesus Christus, kann man Gott einfach so überstreifen einen Pullover? Und kann man ihn so wechseln wie ein Hemd, jeden Tag ein frisches? Oder kommt gar eine Zeit, wo man diesem Gotteshemd entwachsen ist, weil es zu klein geworden ist und überall zwickt? „Christus anziehen“: Dieses Bild hat einen ganz konkreten Hintergrund. Es ist eine alte christliche Tradition, dass diejenigen, die sich taufen lassen, ein neues weißes Kleid bekommen. Das neue weiße Kleid ist ein Zeichen dafür, dass durch die Taufe die Sünden des alten Menschen reingewaschen sind und jeder und jede durch Christus ein neues Leben beginnen darf. Und so sagt Paulus im Galaterbrief, wenn er von der Taufe spricht: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen.“ (Gal 3,27) Bei der Taufe geht es ja nicht nur darum, dass ein Kind einen Namen bekommt. Wer getauft wird, vertraut sich ganz dem Gott an, der in Jesus Christus Mensch geworden ist. Und gerade bei Erwachsenen kann das bedeuten, dass ich ganz neu anfange, weil ich nun mein Leben nicht mehr in Eigenregie gestalte, sondern es bewusst diesem Jesus, dem Christus, unterstelle. Es gibt durch die Jahrhunderte viele Lebenszeugnisse, wo dieses sich bewusst unter die Herrschaft Christi Stellen, bedeutet hat, dass diese Menschen ihr ganzes Leben umgekrempelt haben. Ein neues Leben mit Christus beginnen, so wie man ein neues Kleid anzieht: Wir haben zum Einzug davon gesungen, dass der Herr und König einzieht und wir deshalb die Tore öffnen sollen, auch die Tore unserer Herzen. Stellen wir uns einmal vor, das neue Kleid, das Kleid der Taufe ist der Mantel dieses Königs. Christus legt uns seinen Königsmantel über unsere Schultern. Er hüllt uns ein. Wir sind in ihm geborgen. Der Mantel ist dicht gewoben. Er wärmt uns und er verhüllt manche unansehnliche Stelle unseres Körpers. Wenn es der Mantel eines Königs ist, so ist er reich geschmückt. Vielleicht mit kostbaren Stickereien, oder der Mantel ist aus purpurnem Samt und mit weißem Hermelinbesatz. Kein Mantel eines Weihnachtsmannes könnte da mithalten. Der Königsmantel Christi liegt auf unseren Schultern und macht uns arme Bettler und Bettlerinnen zu seinen Kindern und Erben. Was ist das für ein Königsmantel? Was sind das für Christuskleider? Es ist ein Schutzmantel. Mit der Taufe, mit dem Christuskleid angetan, gehen wir nicht mehr länger schutzlos durchs Leben. Der Mantel schützt uns vor Wetter und Wind, vor Angriffen und Verleumdungen. Ein Leben lang umgibt uns der Mantel der Gnade Christi. Diesem Kleid werden wir nie entwachsen. Denn je größer unsere Sünde ist, umso größer ist die Gnade Christi. Seine Gnade wächst mit uns mit. Der Mantel schützt uns, besser als wir es tun könnten. Wir klagen uns selbst an, wir machen uns mürbe durch unsere eigenen Sorgen, wir wären gerne vollkommener und sehen nur die Schwächen. Der Schutzmantel der Gnade Christi jedoch setzt im Zeichen der Taufe von allem Beginn an ein großes Pluszeichen vor unser Leben. Als wollte er sagen: Du bist mir recht. Dein Leben steht im Zeichen der Gnade Gottes. Ich umhülle dich, wo auch immer du aneckst und dich anstößt. Ich bewahre dich nicht davor, solche Erfahrungen zu machen, aber wenn du dich ganz in diesen Mantel hineinschmiegst, wird der Schmerz abgedämpft sein. Du wirst dich nicht so hart stoßen. Das Christuskleid ist ein Arbeitsmantel. Auch Christus hat sich einen Schurz umgebunden, als er den Jüngern die Füße wusch. Wer getauft ist, bleibt nicht ohne Auftrag. Doch mit Christus als Arbeitgeber wird nach einem anderen Gesetz gearbeitet als in der Welt. „Seid niemand etwas schuldig, außer, dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt.“ (Röm 13,8) So schreibt es Paulus wenige Verse zuvor im Römerbrief. Das ganze Gesetz, der Wille Gottes, ist in dem einen Satz zusammengefasst: Liebt einander. Damit werdet ihr ein Leben lang zu tun haben. Einander in Liebe zu begegnen, das ist Arbeit genug, das ist Lebensaufgabe. Aber, was gibt es schöneres als im Auftrag Christi die Botschaft seiner Liebe in die Welt hinauszutragen. Die Liebe ist die Kraft, die Menschen verändert. Sie verändert nicht nur die Nächsten, die wir lieben sollen. Die Liebe verändert auch uns selbst, wenn wir ihrer Kraft Raum geben und sie an uns wirken lassen. Der Mantel ist ein Dienstkleid oder anders gesagt, eine Uniform. Nicht dass der Mantel alle gleich machen würde. Aber das Kleid, das wir mit der Taufe anziehen, zeigt, wer unser Dienstgeber ist. Unser Kleid verweist auf unseren Herrn und Auftraggeber, auf Jesus Christus. An uns Christen wird deutlich, wer Christus ist. Wie Christen mit Menschen umgehen, das zeugt von Christus. Da sehen wir dann auf unser weißes Kleid und bemerken, dass es schon einige Flecken hat. Aber ist es nicht gerade dieses Taufkleid, das uns sagt: Die Gnade Christi umgibt dich. Trotz dieser Flecken fällt dir keine Zacke aus der Krone. Du kannst es getrost noch einmal versuchen mit deinen Schwestern und Brüdern. So wie du durch die Taufe ein neues Leben angefangen hast, so kannst du es immer wieder von Neuem versuchen. Und gerade daran will uns ja die Adventszeit erinnern: Kehrt um! Fangt von vorne an und erinnert euch daran, bei wem ihr in Diensten steht und wer euch und euer Kleid reingewaschen hat. Der Mantel ist auch ein Reisemantel, ein Reisekleid. Wer getauft ist, ist unterwegs, nicht ziellos oder orientierungslos. Wer getauft ist, weiß wohin der Weg ihn letztlich führt: zu Gott. Wir gehen ihm entgegen, das letzte Ziel ist uns bekannt. Der Weg dorthin allerdings kann mühsam und beschwerlich sein. Wir stolpern und wir fallen, doch immer richtet uns die Hand unseres Herrn auf und wir stehen auf, so wie auch er aufgestanden ist am Ostermorgen. Das Taufkleid ist unser Wanderkleid. Es begleitet uns auf unserer letzten Reise. Es ist unser Totenkleid. Doch was kann mehr Zuversicht geben, als zu wissen, dass wir im Tod Christus selbst tragen werden? Dieses Kleid wird man uns nicht nehmen können. Denn nichts kann uns scheiden von Christus und von seiner Liebe, die uns wie einen Mantel umhüllt. „Zieht an den Herrn Jesus Christus!“ Der Aufruf des Paulus an die Christen in Rom gilt auch uns. Er gilt auch uns, selbst wenn unsere Taufe schon lange zurückliegt. Der Aufruf gilt auch uns, selbst wenn wir uns schon vor langer Zeit für ein Leben mit Christus entschieden haben. „Zieht an den Herrn Jesus Christus!“ Das gilt uns besonders in der Adventszeit, wenn es hektisch und geschäftig wird. „Zieht an den Herrn Jesus Christus!“ Lasst ihn euren König sein. Lasst nicht den Konsum oder den Weihnachtsrummel über euch herrschen. Öffnet diesem König die Tür, lasst ihn einziehen in euer Leben und in euer Herz. Lasst euch ankleiden mit dem Mantel seiner Liebe und Gnade. Und tragt dieses Kleid als ein Zeichen eurer Zugehörigkeit zu eurem Herrn. Amen. « zurück zum Predigtarchiv |