Von 16.-20. Juli tagte die Young People's Convocation der United Methodist Church (Weltjugendversammlung der EmK) in Tagaytay auf den Philippinen. Katherine Jolly (Delegierte aus Österreich) berichtet:

Gelinde ausgedrückt waren die Gemüter erhitzt, als nach einer (schlussendlich für ungültig erklärten) Wahl der Weltjugendrat der Evangelisch-methodistischen Kirche die Petition "Wilbourn" (Streichung des Satzes "Die UMC kann die Ausübung der Homosexualität nicht gut heißen" aus Paragraph 161 des Book of Discipline) mit 55-54 Stimmen angenommen wurde.

"Wir streben nach Liebe, nicht nach Siegen." Gesprochen hat diese Worte Gere Reist, legislativer Sekretär der Generalkonferenz. Sie waren jedoch nicht nur für 02:00 früh am 19. Juli gültig (denn solange entschieden sich die Delegierten selbstsändig zu Weiterarbeit), sondern sie sollten auch einen Tag später Gültigkeit finden, als im Rahmen des Abschlussgottesdienstes ein Einheitsstatement der jungen Menschen unserer Kirche verabschiedet wurde.

Auch in den vorhergehenden Tagen war der Zusammenhalt der jungen und älteren Delegierten stark. Vielleicht war es der Taifun Glenda, der die rund 300 Menschen in der ersten Nacht zusammengeschweisst hat. Immerhin kommt es nicht alle Tage vor, dass man sein Zimmer evakuieren muss und in einer großen Halle ausharrt, wo man selbst wenn man wollte außer Beten und Singen nicht viel tun könnte. Glendas volles Ausmaß war erst zu sehen, als wir im Auge des Sturms waren: eingestürzte Dächer, überflutete Zimmer, das Tagungszentrum- und damit die Existenz der Betreiber - absolut zerstört. Die Organisatoren schafften es, uns in ein kuschliges Quartier umzusiedeln, wo wir zu acht in sechs Betten in Zimmern schliefen, die für zwei Gedacht waren.

Diese unerwartete Nähe schürte wohl aber auch sonst unsere Gemeinschaft: Aus der ZK MSE kam der Antrag, erst dann weiterzuverhandeln, wenn alle Dokumente in allen Arbeitssprachen verfügbar waren. Die Delegierten stimmten mit überwältigender Mehrheit dafür, und so wurde bis spät in die Nacht übersetzt. Auch sonst war es mit dem Schlaf knapp bemessen (durchschnittlich vier Stunden gab es pro Nacht). Hierzu ein Zitat von Anton Kuzmin aus Russland: Wir brauchen keine Powernaps, sondern Steckdosen!

Zu den Eckdaten der Versammlung: Von 16.-20. Juli fand zum dritten Mal die Tagung des Weltjugendrats der EMK (Global Young People`s Convocation and Legislative Assembly) statt. Die kurz GYPCLA genannte Veranstaltung gibt es einmal im Jahrviert; bis zu 12 stimmberechtigte Delegierte aus jeder Zentralkonferenz und Jurisdiktion treffen sich für 5 Tage, um Gemeinschaft zu haben, Gottesdienste zu feiern, Kulturen kennenzulernen, und um Petitionen zu verabschieden, die dann quasi mit dem Siegel "approved by the young people!" an die Generalkonferenz zur Abstimmung kommen.

Kurz gesagt ist die GYPCLA eine einmalige Chance, Zeuge unserer weltweiten Kirche zu werden. Allerdings ist sie nichts für schwache Gemüter, denn es ist allzu leicht sich in den parliamentarischen Prozeduren zu verlieren, oder sich über stundenlange unerklärte Wartezeiten zu ärgern. Aber andererseits lernt man drei philippinische und diverse andere Bischöfe kennen, feiert Gottesdienst in der ersten EMK-Gemeinde von Manila, und sieht wie lebendig die philippinschen Jugendlichen ihre Gottesdienste gestalten.

Nachdem wir nun offiziell Taifun-geschädigt sind (Anmerkung: Taifun Glenda kostete insgesamt 65 Menschenleben, wir blieben Gott sei Dank alle unverletzt), freuen wir uns schon auf daheim. Vor allem weil wir es schon gar nicht mehr kennen, Klopapier ins Klo werden zu dürfen, etwas anderes als Reis mit Huhn zu essen, oder in Gottesdienste zu gehen, bei denen die Predigt weniger als 45 Minuten dauert... ;)

Danken möchten wir der Division on Ministries with Young People und der Zentralkonferenz, die unsere Delegierten finanziell unterstützt hat, sowie dem philippinschen und dem amerikanischen Organisationsteam.

PDF-Archiv: eine Liste der Petitionen, über die abgestimmt wurde sowie das verabschiedete Statement zur Einheit der EmK.

Im Bild: Die Delegierten der Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa