Die Teilnehmenden des europäischen Ökumene-Treffens im Pallottihaus Wien

Jährlich einmal lädt die KEK (Konferenz Europäischer Kirchen) die Generalsekretär*innen der Ökumenischen Räte einzelner europäischer Länder zu einem Austauschtreffen ein. Heuer traf man sich aufgrund der KEK-Vollversammlung erst im September und zwar in Wien. Die Vollversammlung nahm in den Beratungen Raum ein, wurde doch von den dort gemachten Erfahrungen und Ergebnissen berichtet.

Für jedes Jahr wählt sich die Gruppe ein Schwerpunktthema, zu dem die Teilnehmenden aus ihren Ländern darüber einen Bericht schreiben. So ging es heuer um den Dialog zwischen Christen, Juden und Muslimen. In manchen Ländern wie Polen oder Finnland gibt es seit Jahrhunderten eine Minderheit von muslimischen Tataren, mit denen schon lange Kontakte von christlicher Seite her gepflegt werden. In anderen Ländern drängt sich das Thema erst durch die Migration seit den 60er Jahren (Gastarbeiter) auf.

Jeder Ökumenische Rat oder Christenrat des Landes, in dem die Gruppe tagt, nutzt die Gelegenheit um die eigene ökumenische Arbeit vorzustellen, interessante Projekte zu präsentieren oder Initiativen vorzustellen. So stellte Bischof Dr. Michael Bünker Wien als ein wichtiges Zentrum für Ökumene vor, wo z.B. 1971 die „Wiener christologische Formel“ oder 2003 das „Sozialwort der Christlichen Kirchen in Österreich“ entstanden ist. Bischof Bünker stand auch als scheidender Generalsekretär der GEKE (Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa) Rede und Antwort. Frau Dr. Elisabeth Lutter berichtete über das Projekt der „Vernetzten Ökumene Wien-West“ zum Tag des Judentums, das auch den Ökumenepreis 2017 erhalten. Dr. Andreas Weissenbäck stellte die gemeinsame Ausbildung von Lehrer*innen mit Schwerpunkt Religion an der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule Wien-Krems vor. Dass es in Österreich eine gemeinsame Ausbildungsstätte für alle christlichen Konfessionen sowie für islamischen, alevitischen, buddhistischen und jüdischen Religionsunterricht gibt, ist europaweit einzigartig.

Dr. Peter Krömer, der lange Jahre in der Fachgruppe Menschenrechte der KEK mitgearbeitet hat, erläuterte einige religionsrechtliche Aspekte, vor allem im Umgang mit religiösen Minderheiten in Europa.

Wichtig ist jeweils der informelle Austausch unter den Teilnehmenden, denn sie haben in ihrem Land keine Personen in vergleichbarer Funktion. So wurde darauf hingewiesen, dass der jüngste Konflikt zwischen der Russisch-orthodoxen Kirche und dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel betreffend der orthodoxen Kirche in der Ukraine sich auch auf die Arbeit der nationalen Christenräte auswirken wird. Auch der bevorstehende Brexit löst Besorgnis aus, da die irische Teilnehmerin (es besteht für die ganze Insel Irland, sowohl Republik Irland als auch Nordirland ein gemeinsames ökumenisches Gremium) davon berichtete, dass paramilitärische Gruppen in Nordirland ihre Aktivitäten wieder aufgenommen haben. Sie sehen durch den Brexit keine gemeinsame Grundlage mehr gegeben, um weiterhin das Friedensabkommen vom Karfreitag 1998 einzuhalten. Der Teilnehmer aus Italien, wo bisher nur die protestantischen Kirchen zusammengeschlossen waren, konnte von ersten Gesprächen mit weiteren Kirchen berichten

Pastorin Esther Handschin, Schriftführerin im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich

 

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