Vor rund 200 Jahren starb der erste methodistische Bischof Thomas Coke. Ursprünglich Jurist und Pfarrer der Anglikanischen Kirche arbeitete er eng mit John Wesley zusammen und berief die berühmte Weihnachtskonferenz in Baltimore USA ein.

In der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1814 stirbt Thomas Coke an Bord eines Schiffes im Indischen Ozean. Es sollte ihn und weitere Männer und Frauen von Grossbritannien nach Ceylon (heute: Sri Lanka) bringen, um dort eine methodistische Mission zu eröffnen. Doch nun wird er auf See bestattet. Thomas Coke wird im Herbst 1747 in Brecon, Wales in Grossbritannien geboren. Er erwirbt einen Doktorgrad als Jurist, studiert Theologie und wird Pfarrer der Kirche von England. Im Alter von 28 Jahren trifft er den 73-jährigen John Wesley das erste Mal. Ein Jahr später wird er wegen Freundlichkeit gegenüber dem Methodismus aus seiner Pfarrei vertrieben, schliesst sich den Methodisten an und arbeitet seitdem eng mit John Wesley zusammen.

Jurist und erster Bischof

1784 unterstützt Thomas Coke John Wesley bei der Abfassung der "Deed of Declaration" (Erklärungsurkunde). Sie wird nach Wesleys Tod 1791 die rechtliche Basis für den Wesleyanischen Methodismus in Grossbritannien sein. Ebenfalls 1784 bestimmt John Wesley Thomas Coke zum Distriktsvorsteher für die in den USA neu zu gründende Bischöfliche Methodistenkirche. Mit zwei weiteren Predigern, Richard Whatcoat und Thomas Vasey, die John Wesley für den Dienst in den USA ordiniert hat, überquert Coke das erste Mal den Atlantik. In den USA trifft er sich mit Francis Asbury und beruft die "Weihnachtskonferenz" in Baltimore, Maryland, ein. An ihr nehmen 60 von 81 meist jungen methodistischen Laienpredigern in den USA teil. Asbury wird zum Diakon und zum Ältesten ordiniert und dann zum Distriktsvorsteher berufen. John Wesleys Ordnung für die neue Kirche wird umgesetzt. Gegen Wesleys Willen werden Asbury und Coke bald Bischöfe genannt. Thomas Coke reitet vor und nach der Weihnachtskonferenz durch die USA, um seiner Aufgabe nachzukommen. Insgesamt ist Bischof Coke neunmal in Nordamerika. Dazwischen fährt er zurück nach Europa. Dort arbeitet er weiterhin mit John Wesley zusammen. So wechseln sich Wesley und Coke jährlich darin ab, der methodistischen Konferenz in Irland vorzusitzen. Nebenbei veröffentlicht er einen mehrbändigen Kommentar zur Bibel und andere Schriften.

Cokes Herzensangelegenheit

Thomas Coke hat wiederholt zur Mission in Schottland, Kanada und in der Karibik aufgerufen. 1786 lässt Wesley ihn mit einigen Predigern in Richtung Kanada aufbrechen. Widrige Winde treiben das Segelschiff aber in die Karibik nach St. Johns, Antigua, wo es am ersten Weihnachtstag ankommt. Coke trifft John Baxter, den er eineinhalb Jahre zuvor in den USA ordiniert und hierher gesandt hat. Auf seine Einladung hin predigt Coke hier vor einer stattlichen methodistischen Gemeinde, die hauptsächlich aus Sklaven besteht. Die für Kanada bestimmten Prediger stationiert Coke kurz entschlossen in der Karibik. Coke weilt viermal in der Karibik. Wenn es darum geht, die Mission finanziell zu unterstützen, erweist sich der vermögende Coke als sehr spendabel. Auch für seine letzte Missionsreise nach Ceylon, wo er freilich nicht ankommen wird, greift Thomas Coke tief in seine eigene Schatulle.

Autor: Reinhold Parrinello
Quelle: emk-schweiz.ch