Die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) hat am Donnerstag einstimmig den evangelisch-methodistischen Superintendenten Lothar Pöll zum neuen Vorsitzenden des ÖRKÖ gewählt. Er folgt am 1. Jänner 2014 dem bisherigen Vorsitzenden, dem rumänisch-orthodoxen Bischofsvikar Nicolae Dura, nach. Zu stellvertretenden Vorsitzenden wurden der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis) und der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer gewählt. Weitere Vorstandsmitglieder sind Erika Tuppy (evangelisch-reformierte Kirche), Bischof Michael Bünker (evangelisch-lutherische Kirche), Bischof John Okoro (altkatholische Kirche) und Chorepiskopos Emanuel Aydin (syrisch-orthodoxe Kirche).

Zum Auftakt der Vollversammlung hatte Bischofsvikar Dura an den vor genau zwei Jahren verstorbenen griechisch-orthodoxen Metropoliten Michael (Staikos) erinnert, der von 1996 bis 1999 Vorsitzender des ÖRKÖ und darüber hinaus einer der Pioniere der ökumenischen Bewegung in Österreich war.

Eindringlich wurde bei der Vollversammlung das bevorstehende Gedenken zum 75. Jahrestag der Novemberpogrome 1938 diskutiert. Am 9. November wird um 17 Uhr in der Wiener Ruprechtskirche ein ökumenischer Gedenkgottesdienst stattfinden, bei dem Bischof Bünker und Sr. Beatrix Mayerhofer, Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs, Worte des Gedenkens sprechen. Anschließend an den Gottesdienst findet ein Schweigegang zum Mahnmal auf den Judenplatz statt.

Der ökumenische Gedenkgottesdienst am 9. November ist Höhepunkt der diesjährigen Veranstaltungsreihe „Mechaye Hametim“ (Der die Toten auferweckt) , die von der Gemeinde St. Ruprecht gemeinsam mit zahlreichen christlichen Organisationen getragen wird. U.a. wird im Rahmen der Veranstaltungsreihe auch an den Einsatz christlicher Gemeinden für die verfolgten jüdischen Menschen erinnert (so am 5. November um 19 Uhr in der Pfarre St. Johann Nepomuk an die Aktionen katholischer Pfarren in der Leopoldstadt, ebenfalls am 5. November um 19 Uhr im Albert-Schweitzer-Haus an die Hilfsaktion der schwedisch-lutherischen Israel-Mission und am 7. November um 19 Uhr in der anglikanischen Christ Church an die Kindertransporte nach Großbritannien).

Ebenso setzte sich die ÖRKÖ-Vollversammlung intensiv mit der Weiterarbeit mit dem „Ökumenischen Sozialwort“ auseinander. Das „Ökumenische Sozialwort“ – eine überaus erfolgreiche Initiative des Ökumenischen Rates – wurde vor genau zehn Jahren veröffentlicht. Unter dem Motto „sozialwort 10+“ startet der Ökumenische Rat eine umfassende „Re-lecture“ des Sozialworts im Hinblick auf die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Die Startveranstaltung dieses auf ein Jahr – in Zusammenarbeit mit der Katholischen Sozialakademie (ksoe) – anberaumten Projekts findet am Donnerstag, 28. November, ab 14 Uhr in der Donaucity-Kirche statt.

In einem ersten Abschnitt werden Beispiele gelungener Umsetzung des Sozialwortes, aber auch andere Erfahrungen vorgestellt, anschließend wird das ksoe-Dossier zum Projekt „Sozialwort 10+“ präsentiert. Ein ökumenischer Gottesdienst markiert den Höhepunkt der Veranstaltung. Anschließend findet eine Podiumsdiskussion unter Leitung von Prof. Ingeborg Gabriel mit Bischof Bünker, der österreichischen Botschafterin in Peking, Irene Giner-Reichl, dem rumänischen Theologen Prof. Dorin Oancea und dem ukrainischen griechisch-katholischen Umweltbeauftragten Wolodymyr Scheremeta über die Dokumentation „Gerechtigkeit in einer endlichen Welt. Ökologie – Wirtschaft – Ethik“ statt.

Bischof Scheuer stellte Überlegungen zum bevorstehenden 100-Jahr-Gedenken an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor. Für die Kirchen gehe es dabei um eine Selbstbesinnung auf die Rolle von Religion „entweder als Hindernis für den Frieden“ oder als „Werkzeug des Friedens“.

Angesprochen wurde bei der ÖRKÖ-Vollversammlung auch die Situation der verfolgten Christen insbesondere in der Auseinandersetzung mit radikalen islamistischen Gruppen und die Frage der europäischen Flüchtlingspolitik angesichts der Vorgänge im Mittelmeer.

Quelle: www.oekumene.at