Bischof Rückert berichtet über das Europatreffen von Führungspersonen der EmK. Neben Austausch und Zurüstung ging es auch um ein »heißes Eisen«.

Anfang Dezember trafen sich in der hessischen Stadt Braunfels die vier europäischen Bischöfe der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) und die rund 50 Superintendentinnen und Superintendenten. Harald Rückert, der Aufsicht führende Bischof für die EmK in Deutschland, erzählt von seinen Eindrücken:

Es war eine »bunte« Gruppe von Menschen, die zu unserem alljährlichen, europaweiten Treffen zusammenkam: aus Skandinavien und dem Baltikum, aus Südosteuropa und Russland, aus Kirgisien und Algerien, aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Einen ganzen Tag lang hörten und bedachten wir Beispiele von Gemeinden, die sich für ihr Umfeld geöffnet und mutig Neues gewagt haben. Obwohl unsere Kirche in Europa zahlenmäßig zu den »kleinen Kirchen« zählt, ist sie an vielen Stellen lebendig und für ihre Umgebung bedeutsam. Welch ein Motivationsschub! Beeindruckend waren auch verschiedene Projekte, in denen um unseres Auftrags willen Einheit in großer Verschiedenheit gelebt wird; beispielsweise die Friedenskonferenz zwischen russischen und ukrainischen Methodisten, deren Verhältnis durch die politische Feindschaft ihrer Länder ebenfalls stark belastet war; oder die Zusammenarbeit einer etablierten Gemeinde mit Menschen am Rand der Gesellschaft. Wir können voneinander enorm viel lernen.

Einheit ist stärker als das Trennende

In die Begegnungen eingebettet war auch unser »heißes Eisen«: Wie gehen wir als Kirche mit den Fragen rund um das Thema Homosexualität um? Weil wir Methodisten in Europa mit unseren Meinungen genauso weit auseinanderliegen wie unsere Kirche weltweit, war ich mit bangem Herzen nach Braunfels gefahren. Die gegensätzlichen Überzeugungen und Einsichten erscheinen so fest und unverrückbar, so grundlegend und tiefgreifend. Werden sie uns auseinanderreißen? Werden wir trotz dieser Unterschiede beieinanderbleiben können? Spannung lag in der Luft. Scheu, aufeinander zuzugehen, war spürbar. — Noch immer bin ich bewegt davon, wie sich im Lauf dieser Tage die Atmosphäre gleichsam stündlich veränderte. Am Ende stand die Überzeugung: Wir gehören zusammen. Wir können einander helfen, Menschen in die Nachfolge Jesu Christi einzuladen, um so unsere zerrissene Welt zu verändern. Unsere Einheit in Christus ist stärker als das, was uns trennt.

Hoffnung und Mut

Nach wie vor sind wir beim Thema Homosexualität – wie auch in anderen Fragen – nicht einer Meinung. Aber das ist auch gar nicht nötig, um eins in Christus zu sein. Längst nicht alles haben wir ausdiskutiert. Es werden noch viele Gespräche folgen. Wie weit werden uns die Eindrücke dieser Tagung tragen? Das ist noch nicht endgültig ausgemacht, aber erste gewisse Schritte sind getan. Wir hörten in der festen Absicht zu, einander ein wenig besser verstehen zu wollen. Dabei haben wir auch unsere völlig verschiedenen politischen, gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Kontexte wahrgenommen. Vor allem aber haben wir uns immer wieder in Gottes Gegenwart gestellt, die Bibel studiert, gesungen und gebetet. Wir haben Gottesdienste gefeiert, uns zum Tisch unseres Herrn einladen lassen und einander neu als Schwestern und Brüder erlebt. Die Einheit in Jesus Christus ist stärker als das, was uns trennen möchte. Mir gibt das Hoffnung und Mut.

Der Autor
Harald Rückert ist seit Mai 2018 Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland. Der Dienstsitz ist in Frankfurt am Main. Kontakt: bischofsbuero(at)emk.de.

Foto: Klaus Ulrich Ruof, © EmK-Öffentlichkeitsarbeit
Entnommen aus: »Unterwegs« 2/2018

Quelle: emk.de