„Engagierte Bürgerinnen und Bürger müssten keine Seenotrettungsmissionen durchführen, würden die Regierungen ihrer Verantwortung nachkommen", sagt Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser. Foto: pixabay

Dachverbände fordern „Ende der Kriminalisierung privater Seenotretter“

Helsinki/Berlin/Wien (epd/epdÖ) – Mehrere europäische Kirchenverbände haben im Rahmen des Treffens der EU-Innen- und Justizminister am 18. und 19. Juli in Helsinki eine Neuaufstellung der EU-Seenotrettung gefordert. Außerdem verlangten sie ein Ende der Kriminalisierung privater Seenotretter, einen EU-Notfallplan für Bootsflüchtlinge und das Ende der Kooperationen mit Libyen und Anrainerstaaten, in denen Menschenrechte nicht gesichert seien, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Der Appell wird getragen von den im Netzwerk „ACT Alliance EU“ vertretenen evangelischen Entwicklungs- und humanitären Hilfswerken, der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und der Kirchlichen Kommission für Migranten in Europa (CCME).

Als Mitglied von ACT Alliance und CCME in Österreich hat das evangelische Hilfswerk Diakonie das Schreiben an das derzeit vom parteilosen Wolfgang Peschorn geführte Innenministerium übermittelt. „Nur wenn Europa endlich in die Hilfe vor Ort investiert, legale humanitäre Korridore und ein Resettlement-Programm schafft, werden sich Menschen nicht mehr in Schlepperboote flüchten und ihr Leben riskieren“, sagte Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser gegenüber dem Evangelischen Pressedienst für Österreich. „Engagierte Bürgerinnen und Bürger müssten keine Seenotrettungsmissionen durchführen, würden die Regierungen ihrer Verantwortung nachkommen.“

Unantastbarkeit, Würde und das Recht auf Leben

In dem Schreiben an die EU-Innenminister, die am 18. Juli zum Thema Seenotrettung berieten, und ihre Justizkollegen, die am 19. Juli ebenfalls in Helsinki zusammenkommen, heißt es: „Seenotrettung zu unterlassen oder zivile und private Seenotrettungsorganisationen zu behindern verstößt gegen internationale Gesetze und widerspricht den Werten der EU und ihrer Mitgliedsstaaten.“

Die kirchlichen Allianzen äußerten sich erstmals gemeinsam, weil sie die „fundamentalen europäischen Werte und den Vorrang des menschlichen Lebens vor politischen Erwägungen gefährdet sehen“, schrieb die Vorsitzende der „ACT Alliance EU“, Cornelia Füllkrug-Weitzel, die auch Präsidentin des evangelischen Hilfswerks „Brot für die Welt“ in Deutschland ist. Die Kirchenorganisationen erklärten, die EU habe die Verantwortung, die Unantastbarkeit, Würde und das Recht auf Leben aller Menschen zu fördern, zu respektieren und zu schützen.

quelle: evang.at/ epdÖ