Mit einem Festgottesdienst in der Wiener lutherischen Stadtkirche hat der Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich, Michael Bünker, Abschied aus seinem Amt genommen. Neben zahlreichen Gläubigen waren bei der Feier am Samstag, 27. Juni, viele Vertreterinnen und Vertreter von Kirche, Ökumene und öffentlichem Leben zugegen, darunter auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig, Weihbischof Helmut Krätzl, Metropolit Arsenios Kardamakis und kurz auch Oberrabiner Paul Chaim Eisenberg. Die Evangelisch-methodistische Kirche war durch Superintendent Stefan Schröckenfuchs, Pastorin Esther Handschin und Pastor Martin Obermeir-Siegrist vertreten. Bünker geht mit 31. August nach 12 Jahren als Bischof in Pension.

Engagement für eine engere Kirchengemeinschaft bereits im Jahr 2004

In einem Gratulationsschreiben an den scheidenden Bischof betonte Superintendent Schröckenfuchs: „Als EmK Österreich haben wir viele Gründe, dankbar für das zu sein, was du in deinem Dienst getan und durch deine Haltung bewirkt hast.“ Die Gründe dafür sin auch schon in jener Zeit zu suchen, als Bünker noch gar nicht Bischof war: Die EmK in Österreich führt erst seit dem 2004 offiziell den Namen „Evangelisch-methodistische Kirche“(zuvor war sie als Methodistenkirche registriert). Voraussetzung für die Namensänderung war ein Beschluss der Generalsynode A.B. und H.B. vom 29. Oktober 2003, dass seitens der Evangelischen Kirche in Österreich keine Einwände gegen eine solche Namensänderung erhoben werden. Der Antrag dazu kam von Oberkirchenrat Michael Bünker. „Dieser Antrag steht symbolische für dein großes Engagement im Sinne der evangelischen Kirchengemeinschaft, die uns nicht nur formal im Rahmen der GEKE verbindet, sondern die wir in Österreich vermutlich in einzigartiger Weise leben.“, so Schröckenfuchs.

Höhepunkt Reformationsjubiläum

Als besonderen Höhepunkt der Amtszeit von Bischof Bünker hob auch Schröckenfuchs das Reformationsjubiläum 2017 hervor. „Ein 500-jähriges Jubiläum eines Ereignisses, das die Welt grundlegend geprägt hat, zu feiern ist ja nichts Alltägliches. In der intensiven Zeit der Vorbereitungen habe ich dich als einen Visionär kennengelernt, der nicht davor zurückschreckt, erst einmal ganz groß und auch gerne ein wenig aus dem Rahmen zu denken.“ Besonderer Dank gebühre Bünker aber auch sein Einsatz in der Gesellschaft und ganz besonders für jene, die keine Stimme haben. „Dafür, dass du dich unermüdlich für Fluchtkorridore oder die Seenotrettung einsetzt oder das Wort erhoben hast, wenn Politiker der Versuchung unterlagen, Religion für ihre Zwecke zu missbrauchen. Oder wenn es darum ging, das Friedensprojekt Europa hochzuhalten. Du warst in den vergangenen Jahren „die“ evangelische Stimme in Österreich und als Evangelisch-methodistische Kirche haben wir uns stets auch von dir vertreten gewusst und gefühlt. In diesem Sinne haben wir dich durchaus als „unseren“ Bischof gesehen.

Bünker: Einsetzen für das gute Leben für alle

„Dass ich mich als ein schlechthin geborgener Mensch einbringen konnte in der Kirche Jesu Christi und in der Welt Gottes, unter seinen Menschen, das hat mich wohl im Tiefsten getragen wie es hoffentlich alle trägt, die aus diesem Glauben leben und vor allem die, die davon öffentlich zu reden haben“, sagte Bünker in seiner Predigt. Den „guten Kampf des Glaubens“, wie er in seinem Konfirmationsspruch aus dem ersten Timotheusbrief angesprochen wird, stellte Bünker in den Mittelpunkt seiner Predigt: Glaube bestimme „den ganzen Menschen, mit Kopf, Herz und Hand, mit Leib und Seele.“ Das Geborgensein in Jesus Christus sei nicht ein „Privatbesitz“ sondern ein Auftrag, für jene einzutreten, die am Rand stehen. Bünker erinnerte in diesem Zusammenhang an Carola Rackete. Die 31jährige Kapitänin der Sea-Watch 3, hatte mir ihrem Schiff, auf dem sich gerettete Flüchtlinge befanden, auf Lampedusa angelegt und war daraufhin verhaftet worden. „Sie hat Menschen auf sicheren Boden gebracht und muss nun rechnen, dafür ins Gefängnis zu gehen“, sagte der Bischof.

Einer offenen und pluralen Gesellschaft im weltanschaulich und religiös neutralen Verfassungsstaat „jetzt und in Zukunft“ tue es gut, wenn sich Menschen aus dem Glauben heraus einsetzen, „nicht nur für das Eigene, die eigenen Überzeugungen, die eigenen Leute, sondern für das Ganze, für das gute Leben für alle und für die Bewahrung der Schöpfung, die die Grundlage ist für das gute Leben für alle auch in Zukunft.“ Beim „guten Kampf des Glaubens“ gehe es schließlich „um das Morgen. Für die Kinder und Enkel. Für die an Freitagen streikenden Jugendlichen. Für das gedeihliche Miteinander in aller Vielfalt in Europa und in unserem Österreich. Für ein gutes Leben für alle.“

Die Evangelisch-methodistische Kirche wünscht Michael Bünker von Herzen Gottes reichen Segen für den neuen Lebensabschnitt!

Foto epdUschmann. Mehr von der Verabschiedung finden Sie hier.