Geht des nach der Regierung, ist künftig der Karfreitag ab 14.00 Uhr ein "halber Feiertag" für alle. Foto: epd/Uschmann

Der Karfreitag wird künftig ein „halber Feiertag“ für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Das haben die Nationalrats-Klubobleute der Regierungsparteien FPÖ und ÖVP am Dienstag, 19. Februar, in einer Aussendung verkündet. Der evangelisch-methodistische Superintendent Stefan Schröckenfuchs zeigte sich „wenig überraschend wenig begeistert“. Er freue sich zwar für die ArbeitnehmerInnen, die in den Genuss zusätzlicher freier Stunden kämen, zeigte sich aber skeptisch, „wie viele das letzten Endes sind, da freitags viele schon früher zu arbeiten aufhörten. Theologisch sei „gerade der Karfreitag ein Tag der Ruhe und Besinnung“, deshalb tue er sich schwer, die Entscheidung zu verstehen. Ebenso sieht er die Zusage der Regierung, mit allen Beteiligten zu sprechen, nicht erfüllt. „Aus der Evangelisch-methodistischen Kirche wurde seitens der Bundesregierung niemand zum Gespräch eingeladen.“

Auch der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker zeigt sich enttäuscht über das Ergebnis der wochenlangen Diskussion: „Die Lösung bedeutet, dass uns ein halber Feiertag genommen wird, an dem viele Evangelische auch am Vormittag den Gottesdienst besuchen“, sagte Bünker in einer ersten Stellungnahme gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. „Das öffentliche Versprechen von Minister Gernot Blümel, dass bei der neuen Regelung keinem etwas genommen werden soll, kann ich hier nicht erkennen.“ Bünker merkt zudem fragend an, „ob ein Freitag, der ab 14 Uhr ein Feiertag ist, überhaupt diese Bezeichnung verdient.“ Bünker kritisiert weiters, dass die vorliegende Entscheidung keine Lösung für den jüdischen Jom Kippur oder das muslimische Opferfest enthalte. „Ein garantierter freier Tag, den die anerkannten Religionsgesellschaften für ihre Mitglieder als ihren Feiertag – im religiösen Sinn – definieren können und den die jeweiligen Menschen dann in Anspruch nehmen können wäre wohl eine bessere Variante“.

Krömer: „Regelung greift massiv in das kirchliche Leben ein“
Für den Präsidenten der evangelischen Synode, Rechtsanwalt Peter Krömer, ist die neue Regelung „inakzeptabel“. Es sei, so Krömer gegenüber dem Evangelischen Pressdienst „unverständlich, dass Evangelische nun einen halben Feiertag verlieren und alle anderen einen erhalten“. Durch diese Regelung werde „massiv in das kirchliche Leben eingegriffen“, weil Gottesdienste am Karfreitagvormittag stattfinden. Viele dieser Gottesdienste würden auch von ehrenamtlichen Lektorinnen und Lektoren gehalten. „Sie sind auch ArbeitnehmerInnen und können nun diese Gottesdienste nicht mehr halten“, erklärt der Synodenpräsident.

Hennefeld: „Es gibt nur einen ganzen Feiertag“
„Sehr unerfreulich“ ist die Einigung der Regierungsparteien für den reformierten Landessuperintendenten Thomas Hennefeld. „Es gibt nur einen ganzen Feiertag.“ Er könne nur hoffen, dass es sich um ein Provisorium handelt und man sich noch einmal zusammensetze, um eine langfristige, zufriedenstellende Lösung zu finden.

Lederleitner: „Halbe Sache“
Heinz Lederleitner, Bischof der Altkatholischen Kirche sieht in der Halbtageslösung „eine halbe Sache“, keinesfalls aber eine befriedigende Lösung. Auch fürchtet er, dass das Thema damit nicht erledigt sei: „Die ganze Thematik der religiösen Feiertage in einer multireligiösen Welt ist damit nicht nachhaltig gelöst“, sagte der Bischof gegenüber dem epd.

Bischof Bünker hatte im Vorfeld wie zahlreiche KirchenvertreterInnen und TheologInnen aus den evangelischen Kirchen wie der Ökumene wiederholt auf die zentrale Bedeutung des Karfreitags für den christlichen Glauben hingewiesen. Die Einigung der Regierungsparteien war eine Reaktion auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 22. Jänner, wonach ein arbeitsfreier Feiertag am Karfreitag nur für evangelische und altkatholische ArbeitnehmerInnen eine Diskriminierung darstelle. Die in Österreich seit den 1950ern geltende Regelung müsse repariert werden. In einer ersten Reaktion hatte Kanzleramtsminister Gernot Blümel von der ÖVP gemeint, „niemandem solle etwas weggenommen werden“.

Quellen: EpdÖ, EmK