Ein eintägiger „Sabbat“ war den Delegierten der EmK-Generalkonferenz in Portland (USA) für den Pfingstsonntag dringend ans Herz gelegt worden. Nach dieser Pause gingen am Pfingstmontag die Verhandlungen im Plenum der Generalkonferenz wieder weiter.

Pläne für Afrika

Dabei ging es unter anderem auch um die Frage zusätzlicher Bischöfe für die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) in Afrika. Dort wächst die EmK, in einigen Teilen sogar sehr rasch. Die Herausforderungen in Bezug auf die Infrastruktur wie Verkehrswege oder Kommunikation und die oft fehlenden Finanzen behindern die Arbeit der afrikanischen Zentralkonferenzen. Die Leitungsaufgaben der dortigen Bischöfe finden so unter erschwerten Bedingungen statt. Der Ausschuss für Zentralkonferenz-Angelegenheiten unter der Leitung von Patrick Streiff, zuständiger Bischof der Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa, brachte deshalb einen Antrag ein, die Zahl der Bischofsgebiete auf dem afrikanischen Kontinent um fünf auf 18 zu erhöhen. Allerdings sollten die zusätzlichen Bischöfe erst nach der Generalkonferenz 2020 gewählt werden können. Bis dahin sollte erneut eine Arbeitsgruppe aufgrund umfassender Studien beraten und festlegen, wo der Bedarf am größten ist und wie die künftigen Grenzen der Bischofsgebiete aussehen sollten. Wegen des zeitlich langgestreckten Plans erhob sich Widerstand. Die missionarische Situation und die Arbeitslast der Bischöfe in Afrika erfordere schnelles Handeln und nicht weitere Studien. Die Schaffung zweier neuer Bischofsgebiete in Simbabwe und Nigeria müsse sofort bewilligt werden, lautete daher ein Gegenantrag, der mit 417 zu 393 Stimmen knapp unterlag. Der ursprüngliche Antrag mit dem längeren Zeitrahmen wurde anschließend mit großer Mehrheit angenommen. Über den weiteren Antrag, einen zusätzlichen Bischofs für die Demokratische Republik Kongo zu bewilligen, voraussichtlich am heutigen Dienstag im Laufe des Tages abgestimmt.

Entlassungspläne gescheitert

Ein völlig anderer Plan, die garantierte Dienstzuweisung für ordinierte Pastoren aufzuheben, war schon im vorberatenden Ausschuss ohne Mehrheit. Der von der Generalkonferenz vor vier Jahren bereits beschlossene Sachverhalt war vom Rechtshof, dem weltweit obersten juristischen Gremium der EmK, als verfassungswidrig aufgehoben worden. Der erneute Antrag mit der gleichen Stoßrichtung schaffte es somit in diesem Jahr gar nicht mehr ins Plenum. Die Mitglieder des vorberatenden Ausschusses waren der Meinung, die bestehende Kirchenordnung böte ausreichend Möglichkeiten zum Umgang mit »ineffektiven« pastoralen Mitgliedern. Zudem sei es wichtiger, Instrumente zu haben, die zu einer Verbesserung des pastoralen Dienstes beitrügen, als dafür zu sorgen, Pastoren leichter aus ihrem Dienst entfernen zu können.

Pläne zur Weiterentwicklung auf den Weg gebracht

An zwei Anliegen, die maßgeblich von den Zentralkonferenzen außerhalb der USA eingebracht worden waren, wird gemäß entsprechender Beschlüsse der Generalkonferenz weitergearbeitet. Das betrifft zum einen die Sozialen Grundsätze der EmK, die einer Weiterentwicklung unter globalen Gesichtspunkten unterzogen werden sollen. Außerdem soll die Kirchenordnung, das bisherige „Book of Discipline“ unter globalen Gesichtspunkten weiterentwickelt werden. Sie soll im Blick auf die weltweit gültigen Teile als „Global Book of Discipline“, eine Art allgemeingültige, weltweite Kirchenordnung, kompakter gefasst werden. Dieser weltweit gültige Teil soll dann von den Zentralkonferenzen auch nicht mehr verändert werden können, wie das bisher durch Adaptionen noch möglich ist. Andere Teile der bisher umfangreichen Kirchenordnung sollen dann für die Zentralkonferenzen adaptierbar und für die konkreten regionalen Erfordernisse verändert anwendbar sein. Johannes Knöller, der Delegierte der Süddeutschen Konferenz, freut sich, „dass die Generalkonferenz die bisherige Arbeit an einem Global Book of Discipline unterstützt“. Der Reutlinger Superintendent wünscht sich, „dass es bis 2020 gelingt eine weltweit annehmbare Vorlage auszuarbeiten“.

Demonstration nicht nur für Schwarze

Nachdem in der vergangenen Woche schon mehrere Kundgebungen stattgefunden hatten, ohne dass die Verhandlungen der Generalkonferenz behindert worden wären, kam es am gestrigen Montag erstmals zu einer Sitzungsunterbrechung. Rund 150 Personen skandierten im Bereich der stimmberechtigten Delegierten laut »Black Lives Matter!«, zu Deutsch: »Das Leben Schwarzer zählt!«. Sie wollten sich mit dieser Aktion auf die Seite der Unterdrückten und Marginalisierten stellen. Indem viele der Demonstranten regenbogenfarbige Stolen trugen, wurde aber auch deutlich, dass sie die Unterdrückung und Ausgrenzung nicht ausschließlich auf die Farbe der Haut reduziert wissen wollten. „Schmerzlich aber sehr berechtigt war diese Demonstration“, berichtet Knöller über diese Unterbrechung. „So viele Schwarze werden an vielen Stellen dieser Welt unfair behandelt und sogar umgebracht.“

Schweizer US-Pastor zum Mitglied des Rechtshofs gewählt

Der in Vietnam geborene und in der Schweiz aufgewachsene Lui Tran wurde als neues Mitglied des Rechtshofs gewählt. Tran hat immer noch die Schweizer Staatsbürgerschaft und ist Bürger der ostschweizer Stadt St. Gallen. Er hat in der Schweizer Hauptstadt Bern und an der Harvard Universität in den USA Rechtswissenschaften studiert. Nach seiner Promotion über internationale Menschenrechte in Kanada absolvierte er eine pastorale Ausbildung an der Theologischen Hochschule im kalifornischen Claremont. Nach seiner Arbeit für die Wycliff-Bibelübersetzer in Afrika ist er seit 2005 Pastor der EmK in Lakewood, im US-Bundesstaat Kalifornien.

Quelle: Urs Schweizer

Fotos: Maile Bradfield, Paul Jeffrey, UMNS

Bild1: Demonstration für die Rechte Schwarzer und anderer Minderheiten.
Bild2: Dr. Patrick Streiff, Bischof der Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa, bringt den Antrag ein, die Zahl der Bischofsgebiete auf dem afrikanischen Kontinent zu erhöhen.