Der gestrige mit Spannung erwartete Tag bei der Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Portland (USA) war für die Delegierten ein Tag, an dem „die Gefühle Achterbahn gefahren sind“. So jedenfalls beschrieb ihn Werner Philipp, Delegierter der Ostdeutschen Konferenz. Geraume Zeit der Plenumssitzung wurde dafür verwendet, wie mit den Anträgen und Petitionen zum Thema der menschlichen Sexualität umzugehen sei. Sollte während der Konferenztagung entschieden werden mit dem Risiko einer Eskalation? Oder sollte das schwierige Thema einer Sonderkommission zugewiesen werden, die der EmK-Bischofsrat benennt und einsetzt? Am Ende stand ein knapper Beschluss zur Verweisung aller damit verbundenen Anträge an diese neu einzusetzende Kommission.

Homosexulitäts-Debatte in Sonderkommission verlagert

Zum Auftakt der Plenumsdisskussion hatte Bischof Bruce Ough die am Vortag von den Delegierten der Generalkonferenz vom Bischofsrat erbetene Stellungnahme vorgetragen. Es sei das erste Mal, dass die Delegierten einer Generalkonferenz eine solche Bitte an den Bischofsrat herangetragen hätten, betonte dessen Präsident die Besonderheit dieses Vorgangs. „In der Kirche sind wir dazu berufen, an einer christusähnlichen Einheit untereinander mitzuwirken und dafür zu beten, statt auf eine Spaltung hinzuwirken“, sagte er den Delegierten. Auf Basis des Vorschlags aus dem Bischofsrat finden sich die Delegierten in einer hitzigen Diskussion wieder. „Die jungen Leute in der EmK wünschen die Einheit der Kirche“, erklärt Ann Jacob von der Ost-Pennsylvania Konferenz, und verliest eine vor zwei Jahren beim weltweiten EmK-Treffen für Jugendliche und junge Erwachsene auf den Philippinen verfasste „Erklärung zur Einheit“. In der Kirche gehe es um mehr als nur um menschliche Sexualität, sei die Überzeugung der jungen Leute, obwohl auch sie in dieser Frage nicht einer Meinung seien. Ein anderer Delegierter, Lonnie Chafin von der Nord Illinois Konferenz, wähnte „die ganze Kirche in Gefahr“, wenn die Generalkonferenz zu entscheidenden Beschlüssen gedrängt würde. Deshalb sei es richtig, dieses Thema zur weiteren Beratung an die Sonderkommission zu verweisen. Nach mehrstündiger Diskussion, in der auch der sitzungsleitende Bischof Bill McAlilly heftig kritisiert wurde, wird dem Vorschlag des Bischofsrats mit einer knappen Mehrheit von 428 zu 405 stattgegeben. Damit werden alle Eingaben zur umstrittenen Frage der Homosexualität an die vom Bischofsrat zu ernennende Sonderkommission verwiesen. Diese wird auch die gesamte EmK-Kirchenordnung hinsichtlich des strittigen Themas überprüfen, weil die aktuelle Fassung nach Auffassung vieler Personen eine Sprache verwende, die „widersprüchlich, unnötig verletzend und für die Vielfalt der lokalen, regionalen und weltweiten Gegebenheiten unzureichend“ sei. Dabei sollen die unterschiedlichen Sichtweisen berücksichtig und die Vertreter gegensätzlicher Meinungen aus allen Regionen der weltweiten EmK gehört werden. Die Kommission solle daraus einen Vorschlag erarbeiten, wie die Kirchenordnung weiterentwickelt werden kann. Wenn rechtzeitig vor der nächsten Generalkonferenz ein Ergebnis vorliege, könne eine außerordentliche Generalkonferenz einberufen werden. Andernfalls werde der Generalkonferenz im Jahr 2020 ein zwei- bis dreitägiges Treffen vorgeschaltet, auf dem es nur um die Diskussion dieser Thematik gehen solle. Die Delegierten hätten plötzlich die „Pause-Taste“ gedrückt kommentiert der methodistische Nachrichtendienst UMNS aus Nashville diese überraschende Wendung der spannungsreichen Diskussion. Wie anstrengend die Debatte war vermittelt eine kurze Meldung von Stefan Schröckenfuchs, der als Delegierter der österreichischen Konferenz in Portland weilt: „Wir schwitzen wirklich Blut und Wasser, um unseren Teil beizutragen, um etwas weiterzubringen und der Einheit der Kirche zu dienen.“

Unterschiedliche Meinung: Ja. Hass: Nein!

Der Tag hatte mit einer mitreißenden Predigt Bischof James Swansons begonnen. Darin legte er den Bericht über die Rückkehr böser Geister nach einer Dämonenaustreibung (Matthäusevangelium Kapitel 12,43-45) dahingehend aus, dass „überall, wohin wir gehen, auch das Böse mitgeht“. Auch der für die Region Mississippi zuständige Bischof flocht die aktuelle Kommunikation in strittigen Fragen in die Predigt ein. Es sei legitim unterschiedlicher Meinung zu sein oder gewinnen zu wollen, aber es sei nicht legitim den anderen zu hassen oder gar zu entmenschlichen.

Erhebender Stolz und demütigende Erinnerung

Freude und Stolz auf die weltweite soziale Arbeit der EmK verbreitete das im Konferenzgeschehen eingebettete Jubiläum von UMCOR. Das internationale Hilfswerk der EmK feierte sein 75-jähriges Bestehen. Dabei wurde der eindrückliche Erfolg der Anti-Malaria-Kampagne vorgestellt, die pro Jahr eine Million Kinderleben rettet.

Am Abend wurde des in den USA traurig-berühmten „Sand-Creek-Massakers“ von 1864 gedacht. In der Veranstaltung trugen Nachfahren der damals ermordeten Cheyenne- und Arapaho-Indianer ein Lied auf die Getöteten vor. Die Armee der damaligen US-Nordstaaten hatte im Bürgerkrieg am Sand Creek in Colorado mehr als 200 Indianer, vor allem Alte, Frauen und Kinder getötet. Leiter des Angriffs auf die Indianer war Oberst John M. Chivington, der vor seiner Zeit als Offizier der Nordstaatenarmee Pastor der Bischöflichen Methodistenkirche (BMK) war. Nach Ende des Bürgerkriegs wollte er wieder Pastor der BMK werden und wurde, obwohl seine Mitverantwortung am Massaker bekannt war, zum pastoralen Dienst wieder zugelassen. Auch der in die verfehlte Indianerpolitik des Staates verwickelte Gouverneur von Colorado, John Evans, war Mitglied der BMK. Die am Aufarbeitungsprozess beteiligten Vertreter der EmK und der betroffenen amerikanischen Ureinwohner riefen dazu auf, aufeinander zu hören, voneinander zu lernen und das Geschehene nicht zu vergessen, um so aus der Geschichte für die Gegenwart zu lernen.

Quelle: Klaus Ulrich Ruof, emk.de

Foto:Mike DuBose, UMNS / Ann Jacob of the Eastern Pennsylvania Conference verliest eine vor zwei Jahren beim weltweiten EmK-Jugendtreffen auf den Philippinen verfasste „Erklärung zur Einheit“. Dabei wird sie von jungen Leuten umringt und unterstützt.

Informationen:

Stellungnahme des Bischofsrats 
Zum Sand-Creek-Massaker hat der Historiker Dr. Gary L. Roberts im Auftrag der Generalkonferenz 2012 ein Buch verfasst: Massacre of Sand Creek: How Methodists Were Involved in an American Tragedy