Im Rahmen der Tagung des Rechtshofs der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Zürich fanden am vergangenen Dienstag öffentliche Anhörungen zu den drei Modellen statt, die der ausserordentlichen Generalkonferenz 2019 zur Entscheidung vorliegen werden, und mit denen für die seit mehreren Jahrzehnten anhaltenden Auseinandersetzungen darüber, wie die Homosexualität durch die methodistische Kirche bewertet werden soll, Lösungen vorgeschlagen werden.

An der ausserordentlichen Tagung der Generalkonferenz der EMK im Februar 2019 in den USA werden Delegierte aus der ganzen Welt über den Bericht der Kommission «Ein Weg in die Zukunft» beraten. In ihm werden drei unterschiedliche Modelle für eine künftige Organisation der Kirche behandelt. Der Rechtshof der Evangelisch-methodistischen Kirche, der vom 23.-26 Oktober in Zürich tagt, wird darüber entscheiden, ob die vorgeschlagenen Modelle der Verfassung der EMK entsprechen.

Abkehr vom Konsens oder wirklichkeitsnah?

Der erste Teil der Anhörung vor dem Rechtshof fand zum vom Bischofsrat empfohlenen «One Church Plan» (Modell der einen Kirche) statt. Dabei würden aus der Kirchenordnung all jene Passagen entfernt, die Homosexualität verbieten. Die Entscheidungsbefugnis über Ordination von homosexuellen Personen zu Geistlichen oder die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare würde an die Jährlichen Konferenzen delegiert. Keith Boyette, Präsident der «Wesleyan Covenant Association», einer Vereinigung traditionalistischer Methodist/innen, lehnte in der Anhörung das Modell der einen Kirche als nicht vereinbar mit der Verfassung der EMK ab. Die Generalkonferenz könne, so Boyette, Entscheidungen über Angelegenheiten, in denen es eindeutig um die Verbundenheit der Kirche gehe, nicht delegieren – auch nicht an Jährliche Konferenzen. Zudem sei dieses Modell «eine radikale Abkehr von den Lehren der Kirche über Sexualität, Ehe und Ordination». Bischof Kenneth H. Carter, zur Zeit Präsident des Bischofsrates, entgegnete, dass Lehre immer im Dienste des gelebten Christseins stehe. Theologie sei sowohl kontextbezogen als auch praktisch ausgerichtet und habe einen Bezug zum täglichen Leben der Glieder der Kirche rund um die Welt.

Komplexe Neustrukturierung

In einem weiteren Teil der Anhörung wurde der «Connectional Conference Plan» (Modell der Konferenz-Verbünde) behandelt. Unter den vorgeschlagenen Modellen würde dieses am stärksten zu einer Neustrukturierung der Kirche führen. «Ich gestehe, dass ich den Plan mehrmals gelesen habe und seine komplexen Entwürfe doch nicht ganz verstehe», sagte Bischof Carter. Patricia Miller, ein Mitglied der Kommission «Ein Weg in die Zukunft», die sich für den Plan einsetzte, warnte, dass der Plan nur als Ganzes Sinn mache. Eine Zurückweisung von einzelnen Teilen gefährde das Ganze.

Mehrheitsmeinung oder Plan zur Teilung?

Der «Traditional Plan» (Das traditionelle Modell), dem ein dritter Teil der Anhörung galt, würde die aktuell in der Kirchenordnung stehenden Verbote im Blick auf Homosexualität beibehalten und deren strikte Umsetzung verlangen. Pfarrer Thomas Lambrecht, eine der führenden Gestalten der «Wesleyan Covenant Association», sagte, dieses Modell, das die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau stärke und die Ordination homosexueller Geistlicher verbiete, spiegle die Sicht der überwiegenden Mehrheit der Methodist/innen während vieler Jahrzehnte wieder und ermögliche Einheit auf der Basis einer biblischen Beurteilung menschlicher Sexualität. Ganz anders beurteile Bischof Carter dieses Modell: «De facto zwingt es jede Jährliche Konferenz dazu, sich über ein einziges Anliegen zu definieren – die menschliche Sexualität, ein Thema, zu dem es in jeder Konferenz viele verschiedene Meinungen gibt.» Er fügte seiner Einschätzung die Frage an, ob dieses Modell letztlich darauf ziele, die Evangelisch-methodistische Kirche aufzulösen, wie einige Gruppierungen es vorgeschlagen hatten.

Mitschnitte und Entscheidungen

Die Videomitschnitte der Anhörungen können auf der Webseite des Rechtshofs angeschaut werden.  Dort werden einige Tage nach dem Ende des Treffens am 26. Oktober auch die Entscheidungen des Rechtshofs publiziert.

Webseite der Commission on a Way Forward 
Webseite des Bischofsrats

Quelle: Linda Bloom / UMNS