Nicht nur Gesellschaft und Politik haben mit Polarisierungen zu kämpfen, auch die Kirche. Ein Buch bietet Lösungen an. Seminare helfen zur Umsetzung.
Spaltungen und Polarisierungen gibt es nicht nur in Gesellschaft und Politik. Dort scheint Polarisierung geradezu das Schmiermittel gesellschaftlicher Umwälzungen und politischer Mobilisierung zu sein. Diese gesellschaftliche Wirklichkeit macht aber auch um die Kirchen keinen Bogen. Christen wissen zwar, dass sie einander lieben sollten, aber dieser Auftrag wird innerhalb der Kirche auch unterschiedlich verstanden. Erbitterte Auseinandersetzungen über unterschiedliche Meinungen und praktische Konsequenzen des Bibelverständnisses sind die logische Folge.

Mitarbeit führt zu Mehrarbeit

Mit der Frage, wie damit in Kirchen umgegangen werden kann, beschäftigt sich das jetzt erschienene Buch mit dem Titel »Zu lieben sind wir da« des aus Südafrika stammenden Autors David N. Field. Der fünfundfünfzigjährige Theologe promovierte an der Universität von Kapstadt und lehrte Systematische Theologie in Südafrika und Simbabwe, bevor er nach Europa zog. Seine Mitarbeit in der vom internationalen Bischofsrat der Evangelisch-methodistischen Kirche eingesetzten Kommission »Ein Weg in die Zukunft« führte ihn mitten in die Auseinandersetzung dieser Kirche über die starken Meinungsverschiedenheiten in den Fragen zur Homosexualität. Der Auftrag der Kommission lautete, einen Weg zu finden, der die Einheit der Evangelisch-methodistischen Kirche zu bewahren hilft. Im Laufe dieser Mitarbeit entstand das jetzt vorliegende Buch.

Der Umgang mit Konflikten ist der Schlüssel

»Ich wollte kein Buch über Homosexualität schreiben«, erklärt Field den speziellen Ansatz des Buches. Es gibt schon viele Bücher, die sich dieses Themas annähmen. Sein Ansatzpunkt ist die Einheit der Kirche. Dies sei wichtig, um Gottes Mission in der Welt auszuführen. »Deshalb«, so ist der südafrikanische Theologe mit englischen Wurzeln überzeugt, »ist es eine Schlüsselfrage, wie wir mit theologischen und ethischen Konflikten umgehen.« Das schließe strittige Themen wie die Homosexualität mit ein, aber es gebe auch noch andere strittige Themen. In allen diesen Auseinandersetzungen gehe es um die Frage »wie wir Menschen lieben können, die Überzeugungen haben, die wir nicht teilen«. Field weist in seinem Buch nach, dass Liebe die Lösung dafür sein kann, dass Konflikte nicht zu Spaltungen führen. Indem Field auf das Werk John Wesleys, des Gründers der methodistischen Bewegung, Bezug nimmt, zeigt er, dass die Kirche die Liebe Gottes verkörpern kann und muss und wie sich das auf das Zusammenleben in Kirchen und Gemeinden auswirkt.

Der deutsche Bischof Harald Rückert empfiehlt die Teilnahme an den in Kürze in Hannover und im Januar in Stuttgart stattfindenden Veranstaltungen zu diesem Buch. Seine Vorgängerin, Rosemarie Wenner, wirkt an den Veranstaltungen mit und berichtet dort, wie das im Buch vorgestellte Prinzip, die Kommission »Ein Weg in die Zukunft« in ihrer Arbeit zur Konfliktlösung begleitete. Die jetzt im Ruhestand lebende Bischöfin ist überzeugt, dass dieses Buch hilft, besser zu verstehen, »wieso wir eine Kirche sein können und sollen, in der Menschen mit unterschiedlichen Meinungen – auch zum Thema Homosexualität – sich gegenseitig dazu anspornen, auf Gottes Liebe zu antworten und Liebe weiterzugeben«.