Was haben der alte Bauer Kote aus einem mazedonischen Bergdorf, die Romafrau Vangje aus dem Romadorf Banica und Marija, eine ehemalige Büroangestellte aus Strumica, gemeinsam? Für alle drei ist das »Miss Stone«-Zentrum der EmK in Strumica im Südosten Mazedoniens ein Ort der Zuflucht und Hilfe. Christina Cekov berichtet.

Marija zum Beispiel. Ihre Geschichte ist traurig, aber nicht ungewöhnlich: Ihre Firma wurde – wie viele Firmen in Mazedonien nach dem Zerfall Jugoslawiens – in die Insolvenz getrieben, damit sich einige wenige daran bereichern konnten. Sie wurde arbeitslos – mit allen Folgen. Zuerst lebte sie noch einigermaßen normal von der Rente ihrer Eltern, die sie bis zu deren Tod pflegte. Danach aber ertrug sie es nicht, dass sie zum Sozialfall wurde, wurde psychisch krank und anstatt Hilfe zu erhalten, sah sie sich dem Spott von Nachbarn und Verwandten ausgesetzt. Am Ende schloss sie sich in ihre Wohnung ein, aß nicht mehr und nahm auch ihre Medikamente nicht mehr.

Der katholische Priester, zu dessen Gemeinde Marija gehörte, bat die Evangelisch-methodistische Kirche in Strumica um Hilfe. So kam Marija als beinahe aussichtsloser Fall zur Arbeitstherapie zu uns.

Das war vor beinahe drei Jahren. Inzwischen ist sie zu einer wichtigen Mitarbeiterin im »Miss Stone«-Zentrum geworden. Sie fühlt sich wertgeschätzt, hat eine Aufgabe und indem sie mithilft, anderen zu helfen, hat sie auch ihre psychische Erkrankung mit Hilfe regelmäßiger Medikation, in den Griff bekommen.

Mairja ist es nun, die Kote, dem über 80-jährigen armen Bauern, ein warmes Essen gibt, wenn er auf seinem Esel aus seinem Bergdorf nach Strumica herabkommt, um in den Bergen gesammelte Kräuter als Tee und Holz zu verkaufen, um sich und seine Frau irgendwie durchzubringen.

Im »Miss Stone«-Zentrum trifft er oft auf Vangje, eine ältere Romafrau, die immer schon vor ihm da ist, da sie im nahe gelegenen Romadorf ihren Schlafplatz in einer armseligen Hütte schon frühmorgens verlässt, um in der Stadt Essen zu erbetteln. Sie macht täglich Station im »Miss Stone«-Zentrum. Dort bekommt sie Kleidung, Essen, Ansprache, Medikamente und auch schon mal die Nägel geschnitten. Die leicht geistig behinderte Analphabetin hat ein sonniges Gemüt und ist immer zu einem Scherz aufgelegt.

Zuwendung im Vorübergehen

Es sind nicht wenige, die so im »Miss Stone«-Zentrum – quasi im Vorbeigehen – warmes Essen und freundliche Ansprache erhalten. Doch die eigentliche Aufgabe, der sich das »Miss Stone«-Zentrum vor 14 Jahren verschrieben hat, ist das Projekt »Essen auf Rädern«. Im Jahr 2001 begann es mit zehn bedürftigen Menschen, heute bekommen rund 140 behinderte und alte, oft alleingelassene, verzweifelte und zum Teil in unbeschreiblichen Verhältnissen lebende Menschen an jedem Wochentag eine warme Mahlzeit ins Haus. Darüber hinaus reagieren die Helfer auch auf die jeweilige Notsituation der Menschen und besorgen ihnen bei Bedarf Medikamente, Brennholz, Kleidung und Schuhe und gehen mit zum Arzt oder ins Krankenhaus.

Ein zweiter, wichtiger Dienst des »Miss Stone«-Zentrums ist der Dienst an jungen Menschen mit Behinderungen. Sie wurden lange Zeit nur zuhause verwahrt. Es gibt immer noch Leute, die sich ihretwegen schämen. Nur langsam beginnt hier ein Umdenken. Im »Miss Stone«-Zentrum fanden in den letzten Jahren zahlreiche Projekte für diese Kinder statt. Seit vier Jahren etwa läuft sehr erfolgreich ein Computerkurs für junge Menschen mit Behinderungen, unter anderem auch für einen hochbegabten autistischen jungen Mann, der vor dem Kurs als geistig behindert eingestuft worden war. Daneben werden durch das »Miss Stone«-Zentrum viele soziale Projekte von »Dijakonija Makedonija«, dem Diakoniewerk der EmK in Mazedonien, koordiniert.

Gewaltige Herausforderungen

Zwei Drittel der Essensempfänger werden zum Selbstkostenpreis beliefert, während Menschen, die unter dem absoluten Existenzminimum – also von weniger als 65 Euro im Monat – leben, kostenlos versorgt werden. Das deckt rund ein Drittel des Gesamtbudgets. Der Rest wird durch Spenden finanziert, auch über die EmK-Weltmission. Trotzdem ist das Zentrum vermehrt auf zusätzliche Hilfe angewiesen.

So ist das »Miss Stone«-Zentrum ein einzigartiges Glaubenswerk – nicht nur in Mazedonien, sondern auch in den umgrenzenden Balkanländern. Der frühere Superintendent von Mazedonien, Wilhelm Nausner, hat dieses Werk mit viel Mut und Glauben ins Leben gerufen. Seine Worte der Ermutigung zum schwierigen Anfang gelten auch heute noch: »Wenn wir anfangen zu tun, was wir können, dann schenkt uns Gott, was wir nicht zu tun vermögen.«

Gott hat mehr getan, als wir erwartet haben und erwarten konnten und wird uns auch weiterhin helfen und begleiten bei dieser Aufgabe, den Ärmsten von Strumica Gottes Liebe erfahrbar und »schmackhaft« zu machen. Wir haben allen Grund, ihm von Herzen dankbar zu sein.

Christina Cekov

Fotos: Christina Cekov
Beitrag entnommen aus »unterwegs« 1/2015
Quelle: emk.de