Vom 8. bis 12. März 2017 fand in Zürich die 18. Tagung der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa der Evangelisch-methodistischen Kirche statt.

Aus über 20 Ländern Europas, Nordamerikas und Nordafrikas hatten sich rund 110 Männer und Frauen aufgemacht, um an der alle vier Jahre stattfindenden Tagung der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa teilzunehmen. Im gemeinsamen Feiern, Beraten, Austauschen und Erzählen wurde dabei ein enorm grosser Reichtum sicht- und erfahrbar – nicht nur an Sprachen und kulturellen Hintergründen, sondern auch an Persönlichkeiten und Glaubenserfahrungen. Das für die Tagung gewählte Thema «Jesus ist Herr» machte dabei deutlich, dass es über alle Verschiedenheit hinweg etwas gibt, das alle diese Menschen eint. Nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis.

Bischofsbotschaft

Vor vier Jahren hatte Bischof Patrick Streiff seiner Botschaft Wesleys «Kennzeichen eines Methodisten/einer Methodistin» zugrunde gelegt und vom Dreischritt der Liebe gesprochen: von der Erfahrung der Liebe Gottes zu uns, der Befähigung, Gott von ganzem Herzen zu lieben, und der Folge, den Nächsten zu lieben wie sich selbst. Mit dem neuen Thema «Bietet ihnen Christus an!» baute er darauf auf. Als von Christus Ergriffene ist es – gerade auch in den Veränderungsprozessen dieser Zeit – unser Auftrag, von der Hoffnung zu reden, die in uns ist. Zuhörend, respektvoll, selbstkritisch, einladend, friedensstiftend und vor allem: nahe bei den Herzen der Menschen, realitätsbezogen, dienend. Die Bischofsbotschaft 2017 steht hier auf Deutsch, Englisch, Französisch und Slowakisch zum Download bereit.

Wahlvorbereitung

Dass dies Bischofs Streiffs zweitletzte Bischofsbotschaft war, machte der Bericht der Arbeitsgruppe Bischofsamt deutlich. Mit anderen Worten: 2021 wird Bischof Streiff in den Ruhestand treten, und ein neuer Bischof oder eine neue Bischöfin muss gewählt werden. Nach längerer Diskussion beschloss die Zentralkonferenz, ihr Reglement so zu verändern, dass das Exekutivkomitee neu die Möglichkeit hat, einen transparenten Vorbereitungsprozess für die entsprechende Wahl festzulegen. An diesem Prozess sollen auch die Jährlichen Konferenzen mitwirken können. Die Details eines solchen Prozesses müssen jedoch noch ausgearbeitet werden.

Gottesdienste

Die Arbeitsgruppe Liturgie war nicht nur für die sehr vielseitige Gestaltung der gottesdienstlichen Feiern und der Gebetszeiten an der Zentralkonferenz verantwortlich. Sie legte auch einen umfassenden Bericht über ihre Arbeit im vergangenen Jahrviert vor und unterbreitete der Zentralkonferenz verschiedene Anträge. Darin ging es um eine Festlegung der Grundelemente methodistischer Gottesdienste (Ankommen / Hören / Teilen / Weitergehen), um die Förderung der Mahlfeier, und um die Erarbeitung eines Konzepts für Pilotprojekte mit Gemeinden, die Erfahrungen mit der bewussten Gestaltung dieser elementaren Gottesdienstform und der Förderung der Mahlfeier machen wollen.

Soziale Grundsätze

Die an der Generalkonferenz 2016 veränderten Sozialen Grundsätze sollen gemeinsam mit der EMK in Deutschland übersetzt und im Jahr 2018 dem Exekutivkomitee der Zentralkonferenz zur Annahme vorgelegt werden.

Internationale Begegnungen

Gerade im Bereich der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Frauen gibt es eine Vielfalt an grenzüberschreitenden Veranstaltungen und Beziehungen. Diese macht deutlich, dass die Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa nicht nur eine Organisationsform ist, sondern ein lebendiger Organismus des Lernens, des Teilens, des gemeinsamen Unterwegsseins. Der Mission Summit des Partnerschaftsprogramms «In Mission Together» (6. bis 8. Oktober 2017 in Prag/CZ) sowie das Europäische Methodistische Festival «Staunen!» (9. bis 13. Mai 2018 in Cuxhaven/DE) sind zwei internationale Veranstaltungen, die allen Interessierten eine solche Erfahrung ermöglichen. Wer die Verbundenheit lieber von zuhause aus leben möchte, kann noch bis Ostern 2017 auf eine erneut herausgegebene Broschüre mit Andachten aus fast allen Ländern der Zentralkonferenz zurückgreifen. Diese Broschüre ist auch auf Englisch, Bulgarisch, Serbisch und Ungarisch erschienen. Weitere Sprachen sollen noch folgen.

In Kürze

- Die Delegierten stimmten einer Gemeinschaftserklärung mit den methodistischen und wesleyanischen Kirchen in Europa zu, die einer an vielen Orten schon lange stattfindenden Zusammenarbeit einen offiziellen Rahmen gibt.

- Das seit Jahrzehnten zu kontroversen Gesprächen und Auseinandersetzungen führende Thema der menschlichen Sexualität wurde zwar in der Bischofsbotschaft und in einem Bericht aus der Kommission «Ein Weg in die Zukunft» angesprochen, ansonsten aber nicht im Plenum diskutiert.

- In der Gedächtnisfeier wurde an zehn mit der Zentralkonferenz verbundene Männer erinnert, die im letzten Jahrviert verstorben waren – auf besondere Weise an Ferenc Javor (HU), Daniel Husser (FR) und Bischof Franz W. Schäfer.

- Für die Thementage 2018-2020 wurden mehrere Vorschläge eingebracht, in deren Kern es um ein- und ausschliessendes Handeln geht – in Bezug auf Kommunikation und Sprache, auf Reich und Arm sowie auf Mann und Frau.

Länderberichte

Die Beratungen wurden immer wieder unterbrochen durch vielseitige Länderberichte aus der Zentralkonferenz und informative Grussworte aus Nordeuropa/Baltikum, Eurasien, Grossbritannien, Portugal, Italien, Deutschland, USA. Diese liessen etwas von den Herausforderungen erahnen, mit denen die Kirche an verschiedenen Orten konfrontiert ist. Vor allem aber machten sie deutlich: Wo Menschen bereit sind, sich von der Liebe Gottes prägen zu lassen und den manchmal schwierigeren Weg der Liebe zu gehen, kann Gott durch sie Hoffnung schenken und Leben neu erblühen lassen.

Bild: Mitglieder der Arabischen Gemeinde in Aarau im Gespräch mit Zentralkonferenz-Delegierten aus Rumänien und der Slowakei

Quelle: Urs Schweizer, Assistent des Bischofs Patrick Streiff, Zürich