Methodisten: Kirchentüren geöffnet für die Vielfalt des Lebens

Auf ihrer viertägigen Jährlichen Konferenz in Bülach hat die Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) begonnen, sich für die Vielfalt der gesellschaftlichen Lebensentwürfe zu öffnen. Unter dem Motto «Im Wesentlichen Einheit – in Meinungen Freiheit – über allem die Liebe» sollen unterschiedliche religiöse, kulturelle und ethische Ansichten – auch in den eigenen Reihen – vereinbar werden. Zum Schwerpunktthema «Einheit, Freiheit, Liebe» haben rund 300 Delegierte und Gäste an der Jährlichen Konferenz – der Synode der EMK – in der Stadthalle Bülach getagt. Paritätisch stimmberechtigt sind sowohl die Pfarrerinnen und Pfarrer als auch Laienmitglieder aus den Kirchgemeinden der Schweiz, Frankreichs, Belgiens und Nordafrikas. Geleitet wurde die öffentliche Konferenz von Bischof Patrick Streiff.

Vielfalt zulassen und Identität bewahren

Die Diskussionen des inhaltlichen Schwerpunkts der Konferenz dienten dem Ziel, die Vielfalt der Lebensentwürfe in der Gesellschaft für die methodistische Kirche so aufzunehmen, dass die kirchliche Einheit und die eigene Identität bewahrt werden und die Liebe für andere nicht verloren geht. Dabei war besonders die Frage nach dem Umgang mit der individuellen sexuellen Orientierung herausfordernd.

Der Mensch ist als Person wichtig

Die Delegierten der Konferenz berieten intensiv, wie sich die Methodisten in Zukunft zu Fragen der Sexualität, speziell zur Homosexualität, positionieren wollen. Dabei wurde deutlich, wie zentral das Thema der gesellschaftlichen und kirchlichen Ausgrenzung in den Biographien von homosexuell orientierten Menschen ist, trotz eines zwischenzeitlich vermeintlich einsetzenden Wandels. Zwar fehlt unter den Delegierten wie in der weltweiten Kirche in den Details ein Konsens, dennoch herrscht der Wille vor, eine gemeinsame Basis zu finden. «In Würde und Selbstachtung Mensch sein» und «Der Mensch ist als Person wichtig» waren als Voten zu hören. Wesentlich für die methodistische Identität ist der Glaube an Gottes Liebe und deren Weitergabe an andere Menschen; die jeweilige sexuelle Orientierung stehe hingegen nicht im Vordergrund. Sie sei eine individuelle Angelegenheit. Im kommenden Frühjahr will die weltweite methodistische Kirche ihre Position dazu festlegen.

Keine Waffen in Bürgerkriegsgebiete

Einstimmig unterstützten die Delegierten hingegen eine Aufforderung an den Bundesrat, den Entscheid, Waffenexporte in Länder mit Bürgerkrieg zuzulassen, zu widerrufen und eine restriktivere Ausfuhrpraxis einzuführen. Daneben befasste sich die EMK-Konferenz unter anderem mit der weiteren Entwicklung der Kirchgemeinden und den Ergebnissen der Umorganisation ihrer zentralen Administration zu einem Dienstleister für die Kirchgemeinden. Die Umsetzung der neuen Immobilienstrategie wird an einer zusätzlichen Tagung im August 2018 beraten.

Mehr als 200 junge Leute auf der «EMK Young Night»

Die Konferenz diente auch der Pflege des Netzwerks und gab Möglichkeiten für informelle Gespräche. Ein Begegnungsabend mit Kirchenmitgliedern und Freunden erlaubte Einblicke in die Arbeit des EMK-Hilfswerks «Connexio». Auf der «EMK Young Night» wurden über 200 junge Leute auf der Tanzfläche und in Bar und Lounge gezählt.
Im Festgottesdienst am Sonntag, mit Predigt von Bischof Streiff, wurden die neuen Pfarrerinnen und Pfarrer in ihre Ämter eingesetzt. «Christen müssten befreiter, weniger angstbesessen, fröhlicher und gelassener sein, wenn sie wollen, dass andere ihre Botschaft glauben», gab Streiff der Konferenzgemeinde mit auf den Weg. Die Konferenz schloss mit einem grossen Begegnungsfest.