Mitarbeiter der Diakonie Katastrophenhilfe waren in den vergangenen Tagen in der Katastrophenregion in Serbien, um sich ein Bild über die aktuelle Lage zu machen. Mehr als zwei Wochen nach der Flut steht das Wasser noch immer in einigen Häusern. Ein Bericht aus dem Ort Jamena.

Etwas mehr als tausend Menschen leben in Jamena, einem Dorf im Westen von Serbien, das in unmittelbarer Nähe zur Grenze zu Kroatien und Bosnien-Herzegowina liegt. Nur eine Straße verbindet den abgeschiedenen Ort mit der Außenwelt. Als die starken Regenfälle Mitte Mai in Südosteuropa einsetzten, spitzte sich die Lage im Ort schlagartig zu. Ein schützender Damm brach – alle Einwohner mussten umgehend evakuiert werden.

Als wir uns am vergangenen Freitag gemeinsam mit unserer Partnerorganisation EHO auf den Weg dorthin machen, wird das Ausmaß der Flut schon Kilometer, bevor wir Jamena erreichen, sichtbar. Das Wasser steht auch mehr als zwei Wochen nach der Flut noch in den Feldern und umliegenden Wäldern. Es kann nicht abfließen und hat einen stark fauligen Geruch angenommen. Erst seit ein paar Tagen dürfen die Bewohnerinnen und Bewohner von Jamena wieder in ihre Häuser zurückkehren. Die meisten leben vorübergehend bei Verwandten oder Freunden in der umliegenden Region. Tagsüber fahren sie in den Ort um aufzuräumen; an ein Leben in den Häusern ist einstweilen noch nicht zu denken. Entlang der Straßen im Ort stapeln sich Berge von Müll und kaputten Einrichtungsgegenständen die vom Wasser zerstört wurden. Vereinzelt steht das Wasser noch in den Häusern. Verendetes Vieh, Dünger und Fäkalien haben das Wasser zu einer hochinfektiösen schwarzen Brühe gemacht. Die Gefahr von Krankheiten und Seuchen ist in den kommenden Wochen besonders groß.

Wir haben zum zweiten Mal alles verloren

Vor unserem Besuch in Jamena haben wir Ljuba und ihren Sohn Želko in ihrer Notunterkunft in Šid getroffen. Sie haben in Jamena gewohnt und mussten alles zurücklassen. „Wir haben den Alarm gehört und mussten fliehen“ berichtet Ljuba. Ihr Sohn Zelko trug sie in den Bus. Ljuba ist 86 Jahre alt und bettlägrig, Želko 60 Jahre und seit einem Schlaganfall halbseitig gelähmt. „Das war nicht unsere erste Flucht. Wir mussten schon 1995 wegen des Kriegs flüchten. Jetzt haben wir zum zweiten Mal alles verloren und wissen nicht, wie es weiter gehen soll.“ erzählt uns Želko sichtlich betroffen.

Als wir vor ihrem Haus in Jamena stehen, wird klar, dass es Zeit und viel Arbeit brauchen wird, bis es wieder bewohnt werden kann. Der Garten ist verschlammt, das Haus einen Meter unter Wasser gestanden. Eine Nachbarin spricht uns an und meint nur „Hier leben viele arme und alte Menschen. Jetzt haben sie alles verloren. Irgendwie muss es aber weitergehen“.

Hilfe der Partnerorganisationen

In den kommenden Tagen und Wochen unterstützen unsere Partnerorganisationen Bewohnerinnen und Bewohner von Jamena, wie etwa Ljuba und Želko, bei den Reinigungs- und Aufräumarbeiten. Die Desinfektion der Häuser und Gärten ist dabei besonders wichtig. Es werden Desinfektions- und Hygienepakete vereteilt. „Wir planen nächste Woche ein Einsatzteam mit Hochdruckreinigern, Atemschutzmasken und Reinigungsmitteln nach Jamena zu schicken, um die Aufräumarbeiten zu unterstützten. Vor allem die alten Menschen können das nicht alleine schaffen.“ sagt Dragan Makojevic, Leiter einer weiteren Partnerorganisation der Diakonie Katastrophenhilfe in Serbien.

Auf unserem Weg aus Jamena müssen wir durch eine polizeiliche Kontrolle und unser Auto desinfizieren lassen. Wir wissen, die Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten in dem kleinen, abgeschiedenen Dorf wird viele Monate in Anspruch nehmen.

(Reisebericht von Ben Nausner, der Ende Mai unsere Projektpartner vor Ort besucht hat)

Quelle: www.diakonie-katastrophenhilfe.at