Seit Samstag sind in den Räumlichkeiten der Gemeinde Wien-Fünfhaus Flüchtlinge untergebracht. Stefan Schröckenfuchs fasst die Entwicklungen der letzten Tage in der Notschlafstelle zusammen.

Pastor Stefan Schröckenfuchs fasst die Ereignisse der letzten Tage zusammen.

Es ist Samstag 1:49 Uhr in der Nacht, als das Telefon klingelt. Die Nachricht: In einer Stunde kommt ein Bus mit 50 Flüchtlingen, die einen Schlafplatz in unserem Notquartier in der Sechshauser Straße benötigen.

Wenige Stunden zuvor haben zahlreiche Freiwillige begonnen, Matratzen, Decken, Handtücher und Notverpflegung zu organisieren. Nach einem kurzen Rundruf mitten in der Nacht stehen Helfer und Helferinnen bereit..

Kurz vor halb Drei steht der Bus vor der Tür. 49 Personen die noch vor ein paar Stunden in Nickelsdorf unter freiem Himmel gewartet haben, betreten müde und erschöpft die improvisierte Notschlafstelle. Die Betten sind rasch belegt, danach sind vor allem Tee, Internet und die Dusche gefragt - und Schlaf! Als um 7:30 der Bus vor der Tür steht, der die Flüchtlinge abzuholen, schlafen alle noch tief und fest. Wir wecken sie und ein geduldiger Busfahrer, fährt sie eine Stunde später zum Westbahnhof..

Zwei Nächte später derselbe Vorgang - Anruf nach Mitternacht, Ankunft des Busses. Diesmal sind viele Kinder und Frauen dabei. Und diesmal ahnen wir schon: Am nächsten Morgen wird kein Bus kommen, um sie abzuholen. So ist es dann auch. Also wird improvisiert: Ein einfaches Frühstück ist rasch organisiert und HelferInnen für den Tag sind bald gefunden. Sie kommen aus der Gemeinde, aus der Nachbarschaft, aus dem Freundeskreis. Jedoch ist für alle unklar, wie es weitergehen kann. .

Binnen kürzester Zeit erklärt sich der Diakonie Flüchtlingsdienst bereit, mit zwei Dolmetschern eine Rechtsauskunft zu geben. Aus der vereinbarten halben Stunde werden schnell eineinhalb Stunden. Auch vom Islamischen Gymnasium nebenan kommt ein Dolmetscher und das Türkische Restaurant stellt ein Mittagessen bereit. Über die Caritas wird ein Arzt organisiert. Und laufend trudeln Kleidung, Schuhe und Sim-Karten ein, weil sich in der Nachbarschaft herumgesprochen hat, dass diese Dinge gerade gebraucht werden. Auch die Polizei zeigt vor der Tür Präsenz - freundlich, verständnisvoll, und wohl nur im Falle einer Eskalation helfen zu können. Dazu kommt es aber nicht..

Die Stimmung bleibt zu jeder Zeit ruhig und besonnen. Obwohl niemand weiß, wie es jetzt weitergeht. Obwohl einige unterwegs von einem Teil ihrer Familie getrennt wurden und nicht wissen, wo sie jetzt sind..

Manche versuchen, ein Zugticket nach Deutschland zu ergattern, manche von ihnen kommen nach einem erfolglosen Versuch wieder zurück, um eine weitere Nacht zu bleiben. Inzwischen wird von den Ehrenamtlichen geputzt, sortiert, gekocht, Pläne für die weiteren Tage entwickelt..

Alle sind fröhlich bei der Arbeit, die Stimmung ist gut. Jeder ist ja freiwillig hier. Und ist es gut etwas tun zu können in dieser Zeit, in der niemand weiß, was der nächste Morgen bringt. Eines hat diese Zeit jedoch schon gebracht: neue Beziehungen zwischen Menschen aus ganz verschiedenen Hintergründen - aber verbunden durch die Bereitschaft, sich einzubringen und zu helfen. Und das macht Mut..

Stefan Schröckenfuchs / Evangelisch-methodistischen Kirche in Wien-Fünhaus. www.emk.at/wien15.

Tipp: Wer mithelfen will, kann sich hier informieren.