Im Bild: Improvisierte Bademöglichkeiten in Budapest 

Überall sind sie zu sehen – die Bilder von Menschen, die ihre Heimat verlassen haben, um nach einer beschwerlichen Reise in Westeuropa Zuflucht und Hilfe zu finden. Besonders sichtbar wird ihre Not, wo sie ihre Reise unterbrechen müssen – vor allem an Grenzübergängen und in grossen Bahnhöfen. Und gerade dort bemühen sich viele Organisationen, unterstützt von unzähligen freiwillig Mitarbeitenden, um eine menschenwürdige Notversorgung. Auch Mitglieder und Freunde der Evangelisch-methodistischen Kirche.



Strumica liegt nicht weit vom Grenzübergang von Griechenland nach Makedonien. In den letzten Tagen haben innerhalb von 24 Stunden jeweils mehr als 7000 Flüchtlinge auf ihrer Reise der Hoffnung diese Grenze passiert, und täglich treffen 1000 bis 3500 weitere ein. Für Superintendent Wilfried Nausner ist vorauszusehen, dass dieser Flüchtlingszug auch das ganze nächste Jahr andauern wird – zumindest wird dies aus der Zahl der Menschen geschlossen, die derzeit in der Türkei und in Griechenland in Bewegung sind. Mitarbeitende der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) und des Miss-Stone-Zentrums, einer diakonischen Einrichtung der EmK in Makedonien, haben die Flüchtlinge bisher vor allem mit Wasser und Kleidern versorgt – und sie haben dies bereits getan, als die Medien noch kaum über die Not auf dem langen Weg nach Westeuropa berichtet hatten. Eine durchgehend organisierte Struktur gibt es derzeit allerdings noch nicht. Um nachhaltig helfen zu können, ist die EmK in Makedonien deshalb im Moment auf der Suche nach einem Koordinator für Hilfslieferungen von Seiten der Kirche. Das Miss-Stone-Zentrum verfügt über ein Auslieferungsfahrzeug, mit dem regelmässige Hilfstransporte durchgeführt und Flüchtlingsgruppen in den für sie vorgesehenen Lagern versorgt werden können. «Wir sind dabei, entsprechende Persönlichkeiten zu benennen, welche die Nöte der Menschen kennen, regelmässig unter den Flüchtlingen anwesend sind und angemessene Hilfeleistungen veranlassen können», beschreibt Superintendent Nausner den nächsten Schritt. Die EmK in Makedonien wird ihn nicht allein tun können – sie wird Unterstützung aus dem Ausland benötigen.



Von der griechisch-makedonischen Grenze werden die Flüchtlinge in täglich drei bis fünf Eisenbahnzügen durch Makedonien geführt. Der nächste grössere Aufenthaltsort ist Tabanovce an der serbischen Grenze – dort ist die EmK allerdings nicht tätig. Auch in Belgrad (Serbien) ist die EmK nicht in die Hilfe für Flüchtlinge involviert, was nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass sich die EmK-Gemeinden alle im nördlichen Teil Serbiens befinden. Superintendentin Ana Palik-Kunčak erwartet aber, dass die Menschen früher oder später auf der Suche nach Hilfe auch an ihre Türen klopfen werden – wenn der Winter kommt beispielsweise, oder wenn die Grenze nach Ungarn noch schwieriger zu passieren ist, als dies heute der Fall ist. Dann wird sicher versucht werden, die entsprechenden Aktivitäten über die Ökumenische Hilfsorganisation EHO in Novi Sad zu koordinieren.



In Ungarn engagieren sich Mitglieder der Budapester EmK-Gemeinden in Aktivitäten der Organisation «Christians for Migrants», welche Nothilfe in Flüchtlingslagern und Transitzonen (vor allem in den Bahnhöfen) leistet. Zudem ist die EmK Mitglied der «Hungarian Interchurch Aid», welche ebenfalls an diesen Orten tätig ist. Als Mitglied der «Wesley-Allianz», eines Zusammenschlusses von mehreren Kirchen und Organisationen, die in der wesleyanischen Tradition stehen, ist die EmK schliesslich auch an der Einrichtung eines «Baby-Bade-Zentrums» am Keleti-Bahnhof in Budapest beteiligt. Dort erhalten Eltern Tücher, Seife und die Möglichkeit, ihre Kleinkinder zu baden und zu waschen. Ausserdem erhalten Bedürftige Suppe.



In Österreich hat Superintendent Lothar Pöll in einem Statement gefordert, Österreich müsse Kriegsflüchtlinge willkommen heissen, und die von Caritas sowie von der Organisation «Train of Hope» koordinierten Hilfsbemühungen am Wiener Westbahnhof und Hauptbahnhof werden auch von einzelnen Mitgliedern Wiener EmK-Gemeinden tatkräftig unterstützt. Das Diakonie Zentrum Spattstraße in Linz, eine diakonische Einrichtung der EmK in Österreich, plant Wohngemeinschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Die erste Wohngemeinschaft wird noch im September eröffnet. Die EmK in Österreich steht in engem Kontakt mit dem Diakonie Flüchtlingsdienst und unterstützt verschiedene Projekte (z.B. Deutschkurse in Kirchenräumen). Die Diakonie Katastrophenhilfe arbeitet seit August mit Partnern in Serbien, Griechenland, Ungarn zusammen und ist im Austausch mit EmK in Mazedonien für weitere Hilfsaktivitäten. Gemeinden suchen auch nach geeigneten Wohnmöglichkeiten für Flüchtlinge und werden diese so bald als möglich zur Verfügung stellen. Im Rahmen der Ökumene fördern die Kirchen und andere Religionsgemeinschaften eine Kultur der Offenheit und des Willkommens in der Gesellschaft und versuchen auch in diesem Sinne auf die Regierung einzuwirken und sie bei der Aufnahme und Quartiersuche für Asylsuchende zu unterstützen.



Mitgefühl und Nächstenliebe finden Ausdruck in einem riesigen Engagement vieler Menschen. Für Superintendent Wilfried Nausner ziehen aber auch dunkle Wolken am Horizont auf: «Wir haben es noch immer mit einem wachsenden Flüchtlingsstrom zu tun. Aber wir fürchten, dass die signalisierte deutsch-österreichische Offenheit bald aufhören wird. Die Folge wäre eine unabsehbare Katastrophe am Balkan.»


Spendenmöglichkeiten:

  • 
via Connexio (Netzwerk für Mission und Diakonie der EmK der Schweiz): IBAN CH52 0900 0000 8753 7056 9, BIC PPFICHBEXXX 
    Diese Spenden werden je nach Bedarf entweder für Hilfsaktivitäten in den genannten Ländern eingesetzt – auch mittel- und längerfristig – oder dem methodistischen Hilfswerk UMCOR zur Unterstützung seiner Aktivitäten für Flüchtlinge im Nahen Osten, in Griechenland sowie in Italien zur Verfügung gestellt. 
  • via Diakonie Flüchtlingsdienst Österreich: IBAN AT97 2011 1287 2204 5678, BIC GIBAATWWXXX

Quelle: EmK in Österreich, Ungarn, Serbien und Makedonien / Sekretariat des Bischofs Patrick Streiff, Zürich