„Das geht!“, sagte sich die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) in Baden trotz allem: Im Advent feiert sie vier Gottesdienste „auf Augenhöhe“. Asylbewerber und Obdachlose helfen bei der Vorbereitung und Durchführung.

„Geht doch“, ist man versucht zu sagen, „wir können uns doch auf Augenhöhe begegnen!“ – In Zeiten, in denen in Wahlkämpfen und sozialen Netzwerken Leute abgewertet werden, ist das längst nicht so selbstverständlich, wie es tönt. Die EMK lässt sich trotz allem nicht aus dem Konzept bringen und feiert Gottesdienste „auf Augenhöhe“ – das in doppeltem Sinn:

Inhaltlich setzt sich die Gemeinde damit auseinander, wie man respektvoll und freundschaftlich miteinander leben kann. Am 1. Advent kommt mit Monika Wullschleger eine versierte Psychologin in die Kirche. Im Gespräch mit Heiner Studer erzählt sie, welche inneren Mechanismen uns dazu bringen, andere herunterzumachen. Sie erzählt, wie sie überwunden werden können. Pfarrer Stefan Moll sucht nach Antworten des Glaubens, die uns helfen, einander auf Augenhöhe zu sehen.

Eine Woche später erzählt ein Asylsuchender aus Afghanistan von seiner Reise in die Schweiz und von den Erfahrungen mit Behörden und den Menschen in der Region Baden. Einander Zuhören verändert das Bild, das man sich vom anderen macht. Am 3. Advent geht es darum, wie Christen auf Augenhöhe mit dem Islam leben können. Viele halten diese Religion für etwas grundsätzlich Böses. Zu Unrecht. Auch hier gilt: Zuhören verändert Vorureilte. Malik Allawala, Sprecher der Aargauer Muslime, erzählt von seinem Glauben und von dem Leben als Muslim in der Schweiz. Er sieht viele Verbindungen zwischen Christentum und Islam. Am 4. Advent geht es um das Zusammenleben verschiedener Generationen auf Augenhöhe.

EMKler aus Baden und Asylsuchende integrieren sich gegenseitig

Darüber reden reicht aber nicht. Die Gemeinde der EMK Baden hat begonnen, mehr und mehr auf Augenhöhe mit Asylsuchenden zu leben. Freundschaften sind entstanden. Die wichtigste Erkenntnis dabei: diese Leute sind für uns eine wichtige Stütze und Hilfe geworden, ihre Freundlichkeit und Offenheit tun gut. Von mangelnder Integration kann man wirklich nicht sprechen. Und wenn schon, dann eher umgekehrt: Die Methodisten von Baden sind bestrebt, sich zu integrieren. Will sagen: zu lernen, anderen wirklich auf Augenhöhe zu begegnen. Die vier Adventsonntage werden darum gemeinsam mit Asylsuchenden vorbereitet und durchgeführt. Das erlaubt sogar Extras. Nach den Gottesdiensten sind alle zu einem Essen eingeladen. In der Kirche sitzt man an Tischen, es gemeinsam gekocht und abgewaschen. Geplant sind Menus wie Suppe, Olowieye, Reshteh, Raclette und ein Menu Surprise.

Musik von Obdachlosen auf höchstem Niveau

Der Advent in der EMK Baden wird zum grossen Fest. Gute Musik darf deshalb nicht fehlen - Musik auf Augenhöhe. So spielen am 1. Advent zwei Obdachlose Jazz und Blues auf höchstem Niveau. Mit Yara Strässle spielt eine Woche später eine 11-Jährige Alphorn. Weiter singt Priceless, eine Gruppe junger Afrikaner aus der Schweiz. Am letzten dieser Sonntage begrüsst die EMK Baden mit Stefan Dietemann einen Schweizer, der hervorragend afrikanische Perkussion spielt. Geht doch – und das auf Augenhöhe.

AUF AUGENHÖHE – GOTTESDIENSTE MIT MITTAGESSEN

1. bis 4. Adventsonntag, 10.30 Uhr
Evangelisch-methodistische Kirche, Seminarstrasse 21, Baden

Flyer

www.emk-baden.ch

Autor: Stefan Moll

Quelle: EmK Schweiz