Methodisten sollen den tödlichen Kreislauf von Gewalt und Vergeltung durchbrechen. Dazu fordert der Präsident es EmK-Bischofsrats auf.

Bischof Bruce Ough, Präsident des internationalen Bischofsrats der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK), hat die tödlichen Schüsse in verschiedenen Städten der USA zum Anlass für eine Erklärung genommen. Darin fordert er die Methodisten dazu auf, den »tödlichen Kreislauf von Gewalt und Vergeltung« zu durchbrechen. Das sei zwar nicht einfach, aber er bitte » die Menschen in der Evangelisch-methodistischen Kirche, sich der Herausforderung des Augenblicks zu stellen«.

Rosemarie Wenner, die Bischöfin der EmK in Deutschland, unterstreicht die Botschaft ihres amerikanischen Kollegen. Rassismus und Gewalt seien die Ursachen für tiefe Spaltungen. Deshalb gehe es darum, »den Frieden nicht nur zu lieben, sondern ihn aktiv zu gestalten, wo immer wir leben«. Dies betreffe nicht nur die aktuellen Ereignisse in den USA, sondern sei auch angesichts zunehmender Fremdenfeindlichkeit ein Thema, dem wir uns in Deutschland und ganz Europa stellen müssen.

Anlass für diese Erklärung sind die tödlichen Schüsse weißer Polizisten auf schwarze Bürger in verschiedenen Städten der USA. Bei nachfolgenden Demonstrationen in mehreren Orten der Vereinigten Staaten wurden in Dallas im US-Bundesstaat Texas aus dem Hinterhalt weiße Polizisten durch Schüsse getötet. Die auslösenden Ereignisse und die darauf folgenden Demonstrationen offenbaren die angespannte gesellschaftliche Lage in den USA. Trotz formaler Gleichberechtigung ist dort Rassismus und Ausgrenzung gesellschaftlicher Minderheiten an der Tagesordnung.

Die von Bruce Ough im Namen des EmK-Bischofsrats abgegebene Stellungnahme im Wortlaut:
Nach dem gewaltsamen Tod einiger Menschen in Baton Rouge, St. Paul und Dallas in den US-Bundesstaaten Louisiana, Minnesota und Texas richten wir uns an eine Nation, die überwältigt ist von Wut, Trauer, Enttäuschung und Verzweiflung. Diese Todesfälle lassen unsere Herzen und Stimmen nach Gerechtigkeit schreien. Die vorläufigen Anhaltspunkte und die schrecklichen Videofilme mahnen uns nachdrücklich, dass wir etwas tun müssen. Der Tod junger schwarzer Männer durch weiße Polizeibeamte erfordert eine parteiübergreifende politische und juristische Reaktion, die über kirchliche Stellungnahmen und Gebete hinausgeht. Die nachfolgenden Todesfälle von Polizisten erinnern uns an den ehrenhaften Dienst der weit überwiegenden Mehrheit dieser Beamten und an den tödlichen Kreislauf von Gewalt und Vergeltung. Wir beten für alle Familien angesichts ihres schweren Verlustes und ihrer tiefen Trauer. Wir bitten die Menschen in der Evangelisch-methodistischen Kirche, sich der Herausforderung des Augenblicks zu stellen, auch wenn es kompliziert erscheinen mag. Wir betonen erneut, dass jeder Mensch als Bild Gottes geschaffen wurde. Wir geben zu, dass wir an rassistischen Strukturen mitschuldig sind, die das heilige Wesen jedes Menschen leugnen. Wir bekennen, dass wir unsere ideologischen Überzeugungen wichtiger nehmen als die Einheit des Leibes Christi. Wir tun Buße dafür, dass wir voreinander Angst haben und fern von Gott Sicherheit suchen. Wir fordern von allen privilegiert lebenden Christen, dass sie zuhören und besser verstehen wollen, was unsere Glaubensgeschwister bewegt, wenn sie Gerechtigkeit fordern. Wir verpflichten uns, im Namen derer zu sprechen, denen Gerechtigkeit vorenthalten wird. Wir unterstützen die schwierige Arbeit der Strafverfolgungsbehörden, und wir suchen nach Wegen eines gelingenderen Miteinanders in der Gesellschaft. Wir versprechen, dass wir das Problem der Masseninhaftierung junger schwarzer Männer in unserer Gesellschaft (gemeint ist die Situation in den USA) zur Sprache bringen. Wir erkennen, dass wir angesichts andauernder Massengewalt abstumpfen, aber wir hören die Aufforderung Jesu, nicht nur den Frieden zu lieben, sondern Frieden zu stiften. Lasst uns dafür beten, dass Gott durch uns in diese zerbrochene Gemeinschaft und in eine gefallene Welt das Zeugnis der Heilung durch Jesus bringt. Wenn wir uns selbst dazu nicht stark genug fühlen, wenden wir uns dir zu, denn wir wissen, dass du uns dazu aufforderst, unseren Nächsten zu lieben. O Herr, erinnere uns daran, dass die Liebe alle Furcht vertreibt. Mache uns zu Menschen, die zu einem umfassenden Wandel beitragen, die versöhnen, die Gerechtigkeit anstreben und gebrauche uns als Werkzeuge deines Friedens. Darum bitten wir dich, besonders jetzt inmitten von Auseinandersetzungen, Leid, tragischen Ereignissen und Unruhen und doch im Vertrauen auf die Macht deiner Liebe. Du bist unser Gott, unser Erlöser, der Heiland, der Friedefürst! Wir beten in unserer Zeit dafür, dass sich die Weissagung aus dem adventlichen Lobgesang des Zacharias erfüllt. Deshalb rufen wir: »Komm, Herr Jesus!« und berufen uns auf die Verheißung des Evangeliums:

»Unser Gott hat ein Herz voll Erbarmen. Darum kommt uns das Licht aus der Höhe zur Hilfe. Es leuchtet denen, die im Dunkel und im Schatten des Todes leben. Es lenkt unsere Füße auf den Weg des Friedens.« (Lukasevangelium, Kapitel 1, Verse 78-79 Basisbibel)

Bischof Bruce R. Ough
Präsident des internationalen Bischofsrats der Evangelisch-methodistischen Kirche

Bischofsrat der Evangelisch-methodistischen Kirche:
Der internationale Bischofsrat der Evangelisch-methodistischen Kirche beaufsichtigt und fördert die Aufgaben der weltweit auf vier Kontinenten arbeitenden Evangelisch-methodistischen Kirche. Ihm obliegt dabei die besondere Aufgabe, die Einheit der Kirche zu wahren und für die Durchführung der von der Generalkonferenz gefassten Beschlüsse zu sorgen. Zum Bischofsrat gehören alle aktiven und im Ruhestand befindlichen Bischöfe und Bischöfinnen der weltweiten EmK. Zurzeit sind dies 45 aktive Bischöfe und Bischöfinnen in den USA und 20 in Europa, Asien und Afrika sowie weltweit 87 Ruhestandsbischöfe.

Quelle: emk.de; Bild Kathleen Barry, UMNS