Während die Generalkonferenz der EmK nach einvernehmlichen Lösungen für schwierige Fragen sucht, wird in den Sozialen Netzwerken bereits der Abgesang auf die weltweite Einheit angestimmt. Dort scheint für viele Kommentatoren die Spaltung der EmK angesichts der gegensätzlichen Einstellungen zur Homosexualität bereits eine ausgemachte Sache zu sein. Angesichts dieser massiven Stimmungsmache sah sich der Bischofsrat der EmK genötigt, Stellung zu beziehen.

Drängende Einladung zur Einheit

Bruce Ough, als Präsident des Internationalen Bischofsrats der EmK erst seit wenigen Tagen im Amt, trug wandte sich zum Beginn der Dienstagsitzung an die Deligierten. Dabei gab er offen zu, dass auch der Rat in der Frage der Homosexualität nicht einer Meinung sei. „Ich stehe heute vor euch, um euch – auch im Namen meiner Bischofskollegen – zu sagen, dass ich ein gebrochenes Herz habe – und das gilt für uns alle im Bischofsrat“, erklärte er den Delegierten. Von „Schmerzen, Misstrauen, Wut, Angst und Zerrissenheit“ innerhalb der EmK sprach er, die sich vor allem an der Diskussion über „Fragen der menschlichen Sexualität, die Auslegung der Bibel und die Einbeziehung unserer LSBT-Geschwister“ entzündeten (LSBT: Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender). Angesichts dieser tiefen Zerrissenheit hätten die Bischöfe „auf Knien gebetet“ und untereinander und mit vielen anderen darüber gesprochen, wie die Einheit gewahrt und wie die Kirche geheilt werden könnte.

Seit ihrer Ankunft in Portland und schon lange davor hätten er und seine Kolleginnen und Kollegen in ihrer bischöflichen Verantwortung mit den unterschiedlichen Gruppen gesprochen und durchaus auch riskante Überlegungen für die Zukunft der Kirche angestellt, die von manchen „angesichts tief verwurzelter und unterschiedlicher Werte und Überzeugungen als radikal neue Wege bezeichnet würden“. Unter dem Zeitdruck einer Generalkonferenz und in einem Klima der Angst sei es eine große Herausforderung, in christlicher Gesinnung über diese Fragen zu beraten. Ough betonte, die Bischöfe hätten den Auftrag, die Einheit der Kirche zu wahren, obwohl sie selbst auch nicht immer einig seien. Er beteuerte, dass der Bischofsrat keine Überlegungen für eine Spaltung oder Neustrukturierung der Kirche betreibe, sondern die Autorität und Entscheidungsvollmacht der Generalkonferenz in allen Verfassungsfragen der Kirche achte. Gleichzeitig warb der Vorsitzende des Bischofsrats, „für neue und innovative Wege der Einheit offen zu bleiben“. Der Zeitpunkt könnte gekommen sein, dass „Gottes unbegrenzte Fantasie uns dazu führt, uns einen neuen Weg für unser Kirchesein vorstellen zu können“. Allerdings, so betonte er zum Schluss, müssten die Anstrengungen aller, die Einheit zu bewahren geradezu „verdoppelt“ werden.

Zuhause in einem „seltsam geformten Haus“

Am Vortag hatte Christian Alsted, der für Nordeuropa und das Baltikum zuständige Bischof, den Vorsitz des Connectional Table übernommen. Der Connectional Table ist eine Art weltweiter Kirchenvorstand der EmK mit der Aufgabe, den Auftrag der Kirche zu erkennen und zu beschreiben und die Aufgaben, Dienste und Mittel der Kirche bestmöglich einzusetzen und auszuführen. Auch Alsted hat in diesem Zusammenhang auf die Einheit der Kirche verwiesen, deren Wahrung aber eine komplexe Aufgabe sei. Dafür wählte er die Arbeitsweise des österreichischen Architekten und Künstlers Friedensreich Hundertwasser. Dieser habe nicht mit geraden Linien und rechten Winkeln gearbeitet. Es gebe deshalb seltsam geformte Zimmer, viele Farben oder eigenartige Treppen. So sehe er die EmK. „Mit all unserer Vielfalt, mit all den Farben, Kulturen und Erfahrungen kommen wir zusammen um ein Haus zu sein.“ Das Bild weiter ausführend, erklärte er: „Es ist kompliziert, ein Haus zu sein. Man kann nicht einfach feste Stücke zusammenfügen“. Alle würden gebraucht, „um das Haus der Einheit gemeinsam zu bauen“. Dazu wolle er beitragen.

Eine Sitzungseinheit auf Französisch

Historisches ereignete sich im Laufe des Nachmittags, als die Plenarsitzung von Patrick Streiff geleitet wurde. Der für die Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa zuständige Bischof sprach nur die einleitenden Worte in Englisch. Die komplette Sitzungseinheit sprach er dann Französisch. Es dürfte das erste Mal gewesen sein, dass eine komplette Sitzung der Generalkonferenz in einer anderen Sprache geleitet wurde als Englisch. Den englischen Muttersprachlern ohne Französischkenntnisse oder andere Fremdsprachenkenntnisse führte das vor Augen, womit andere Delegierte ständig konfrontiert sind: das Angewiesensein auf Übersetzung und die Abhängigkeit von korrekter Wiedergabe sowie die zeitliche Behinderung, die durch Übersetzungsprozesse entsteht. Für eine globaler werdende Kirche und die Wahrnehmung von Unterschieden, auch abseits heftig umstrittener Themen, war das für die Generalkonferenz eine gute Erfahrung.

Stellungnahme des Bischofsrats zu Homosexualität beantragt

Für den heutigen Sitzungstag wird mit Spannung eine Stellungnahme des Bischofsrats erwartet. Es geht um die Frage, wie aus Sicht des Bischofsrats mit der Frage menschlicher Sexualität weiter verfahren werden soll. Der Antrag war von Mark Holland, Pastor in Kansas City und Delegierter der Great Plains Konferenz, eingebracht worden. Unter anderen hatte auch Adam Hamilton, Pastor in Leawood im US-Bundesstaat Kansas und ebenfalls Delegierter der Great Plains Konferenz, den Antrag unterstützt. „Wir brauchen eure Hilfe“, rief er den Bischöfen zu und unterstrich damit die Notwendigkeit eines Wortes der Bischöfe zu dieser Fragestellung. Die Delegierten machten mit 428 zu 364 Stimmen den Weg für eine Stellungnahme der Bischöfe frei.

Quelle: Klaus Ulrich Ruof, Volker Kiemle

Foto: Mike DuBose, UMNS