Wer früh hilft, hilft doppelt: Wenn Schwangere oder Familien mit kleinen Kindern frühzeitig Unterstützung bekommen, bevor sich Probleme einschleifen können, wirkt sich dies positiv auf deren Gesundheit aus. Das Projekt „Gut begleitet von Anfang an“ der OÖGKK und des Landes OÖ bietet individuelle Begleitung und Unterstützung und vernetzt bereits vorhandene Hilfsangebote in der Region. Nach Abschluss des erfolgreichen Pilotprojekts in Linz gibt es das vom Land OÖ mit- finanzierte Angebot der „Frühen Hilfen“ nun auch in Wels, Steyr, Kirchdorf und Vöcklabruck. Umgesetzt wird es vom Diakonie Zentrum Spattstraße.

Was ein Baby oder Kleinkind erlebt, prägt es nachhaltig für sein weiteres Leben. Ent- wicklungsstörungen bzw. psychosoziale und gesundheitliche Probleme von Erwachsenen haben ihren Ursprung sehr oft in diesen ersten Lebensjahren. Hier setzt die Idee der „Frühen Hilfen“ an: Dieses Konzept umfasst Gesundheitsförderung und gezielte Unter- stützung von Familien in schwierigen Situationen – und zwar von der Schwangerschaft bis zum einschließlich dritten Lebensjahr des Kindes. Jede Intervention ist individuell auf die jeweiligen Eltern und Kinder abgestimmt und so erreicht die Hilfe punktgenau jene, die sie brauchen. Gut vernetzte und professionelle Helferinnen und Helfer arbeiten dabei über die Grenzen von Berufen und Institutionen hinweg und nutzen bereits vorhandene Angebote und Strukturen.

„Gut begleitet von Anfang an“ in OÖ Bezirken

„Frühe Hilfen“ bietet seit 2014 auch die OÖGKK an und zwar mit dem Projekt „Gut begleitet von Anfang an“. Oberösterreich war eines von fünf Bundesländern, in denen ein Pilotprojekt der Sozialversicherung - unterstützt aus Mitteln der Pharmaindustrie und der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit (LIGA) - startete und zwar zunächst im Stadtgebiet von Linz. Das „Diakonie Zentrum Spattstraße“ betreute dort im Auftrag der OÖGKK rund 90 Familien. Aufbauend auf den Evaluierungsergebnissen des Modellprojekts wurde „Gut begleitet von Anfang an“ nun auf andere Bezirke ausgeweitet und ist wie folgt aufgestellt:

• Stadt Linz und 16 angrenzende Gemeinden in Linz-Land und Urfahr-Umgebung: Beratungsstelle in Linz

• Steyr und Steyr-Land: Beratungsstelle in Dietach

• Wels und Wels-Land: Beratungsstelle in Wels

• Die Bezirke Kirchdorf und Vöcklabruck werden derzeit von Wels aus betreut

Schätzungen des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) gehen davon aus, dass etwa 5 bis 7 Prozent der Familien Unterstützung benötigen. In den genannten Regionen sind das ca. 390 bis 550 Familien pro Jahr. Dabei kommen vier Netzwerk-Managerinnen (Teilzeit mit je 19 Wochenstunden) und insgesamt zehn Familienbegleiterinnen zum Ein- satz, die ebenfalls alle in Teilzeit arbeiten. Sämtliche Netzwerkmanagerinnen und Familienbegleiterinnen verfügen über einschlägige Fachausbildungen als Hebamme, Kinderkrankenschwester, Frühförderin, Sozialarbeiterin, Psychologin, STEEP-Beraterin oder Psychologin. Im Laufe des Jahres 2016 sollen die zeitlichen Ressourcen der Familienbegleiterinnen schrittweise etwas aufgestockt werden. Die Ausrollung des Projekts wurde mit 1.11.2015 gestartet und läuft bis 30.4.2017. Die Organisation des Netzwerks übernimmt derzeit das Diakonie Zentrum Spattstraße. Das Umsetzungskonzept folgt dabei dem vom Nationalen Zentrum für Frühe Hilfen erar- beiteten Idealmodell für Österreich.

So laufen „Frühe Hilfen“ in der Praxis

Das Netzwerk von „Gut begleitet von Anfang an“ ist in den jeweiligen Regionen gut auf- gestellt. Geburtenstationen der Krankenhäuser, Ordinationen für Gynäkologie bzw. Kinderheilkunde, Eltern-Kind-Zentren, Mutterberatungsstellen, Gewaltschutzzentren, Krabbelstuben aber auch die Kinder- und Jugendhilfe: Fachleute aus verschiedenen Bereichen sind eingebunden, denn es sind oft Pflegepersonal, Pädagogin- nen/Pädagogen, Hebammen, Ärztinnen / Ärzte und Sozialarbeiter/-innen denen auffällt, wenn ein kleines Kind bzw. eine Familie Hilfe benötigt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Überforderung, Vernachlässigung, Familienkonflikte oder Gewalt, gesundheitliche Probleme, Arbeitslosigkeit, Schulden etc. „Es gibt für viele Problemlagen ein Hilfsange- bot, aber die Betroffenen wissen nichts davon oder sind nicht in der Lage, die Unter- stützung selbst zu organisieren und z. B. mehrere Telefonate zu führen, E-Mails zu schreiben oder Anträge zu stellen. Unsere Familienbegleiterinnen nehmen sie sozusagen bei der Hand und lotsen sie durch das System“, so Andrea Boxhofer, Geschäfts- führerin des Diakonie Zentrums Spattstraße. Damit die Familienbegleiterinnen von den Problemlagen erfahren, sind sie auch auf die Unterstützung der Netzwerkpartner angewiesen. Diese haben in ihrer beruflichen Tätigkeit immer wieder Kontakt zu Familien mit kleinen Kindern und merken daher relativ rasch, wo Hilfe von Nöten ist. Wichtig ist der unkomplizierte, niedrigschwellige Zugang zu Unterstützung für die Familien, die auch zu Hause besucht werden. Freiwilligkeit, Motivation zum eigenständigen Handeln und Transparenz sind oberstes Gebot. Liegt der Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung nahe, erfolgt eine Meldung an die Kinder- und Jugendhilfe. Auch dieser Umstand wird den Betroffenen gegenüber mitgeteilt. Die Netzwerkmanagerinnen und Familienbegleite- rinnen nehmen sich der betroffenen Familien an und schreiten dann entweder selbst zur Tat, indem sie Unterstützungs- und Betreuungsleistungen bieten - oder sie verweisen auf die zahlreichen Kooperationspartner im Netzwerk, die den Schwangeren und Familien dann spezifische Hilfeleistungen zukommen lassen. Boxhofers erste Bilanz nach den ersten Monaten Netzwerk-Aktivität in den Bezirken: „Das Angebot wird sehr gut angenommen. Wir bekommen laufend Zuweisungen von Netzwerk-Partnern und viele positive Rückmeldungen.“ Das Projekt wird zeitgleich in weiten Teilen Österreichs umgesetzt und durch das „Nationale Zentrum Frühe Hilfen“ koordiniert. Dieses sorgt auch für die notwendige Qualitätssicherung und begleitende Evaluierung.

Körperliche und seelische Gesundheit frühzeitig fördern

„Alles, was man investiert, um Eltern bzw. deren Kinder bei körperlichen und seelischen Problemen von Anfang an zu begleiten und zu unterstützen, trägt langfristig Früchte. Es ist viel schwieriger, psychische und körperliche Defizite erfolgreich zu behandeln, wenn sie sich bereits über Jahre entwickelt haben. Eine frühzeitige, professionelle Unter- stützung hilft den betroffenen Familien nachhaltig.“, so Landeshauptmann Josef Pühringer.

„Das Projekt ‚Gut begleitet von Anfang an‘ ergänzt das bereits heute engmaschige Netz an Beratungseinrichtungen des Soziallandes Oberösterreich und leistet mit seiner klaren Schwerpunktsetzung auf die ‚frühe Hilfe‘ einen wichtigen Beitrag zu einer vernetzten Präventionsarbeit. So können wir sicherstellen, dass Eltern und deren Kinder von Anfang an jene Unterstützungsleistung erhalten, die sie individuell benötigen und eine optimale Begleitung durch schwierige Lebenssituationen sicherstellen“, ergänzt Sozial-Landesrat Reinhold Entholzer.

„Die Erfolgsstrategie von ‚Gut begleitet von Anfang an‘ ist, dass die Hilfe regional und individuell ist. Es gibt keine Pauschallösung für jede Familie. Die Familienbegleiterinnen schauen sich jeden Einzelfall an und kontaktieren Unterstützungsstellen mit möglichst kurzen Anfahrtswegen. Und vor allem finden sie gemeinsam mit den Betroffenen eine Lösung, die zu den konkreten Bedürfnissen passt“, betont OÖGKK-Obmann Albert Maringer.

Dachmarke „Von Anfang an“

Unter dem Titel „Von Anfang an“ laufen bei der OÖGKK auch andere Angebote zur Gesundheitsförderung rund um Schwangerschaft, Baby und Kleinkind und zwar:

• Gesund essen von Anfang an (Ernährung in der Schwangerschaft)

• Babys erstes Löffelchen

• Gesunde Zähne von Anfang an

• Rauchfrei von Anfang an! • Starke Eltern von Anfang an!

• Ratgeber „Von Anfang an!“ inkl. DVDs

Die OÖGKK bietet dazu Workshops und verschiedene Informationsmaterialien, darunter einen Eltern-Newsletter. Mehr Infos unter www.ooegkk.at/vonanfangan.

Dachmarke „Gesundes Oberösterreich“

Unter dieser Dachmarke bietet das Land Oberösterreich eine Vielzahl von Beratungs- und Vorsorgeangeboten an. Die Angebote für Familien mit Kindern in den ersten Lebensjahren sind besonders vielfältig. Darunter fallen z.B. der Mutter-Kind-Zuschuss in Höhe von bis zu EUR 370,-- pro Kind, die Unterstützung bei Impfungen, die Verbesse- rung der Zahngesundheit oder dann für später die Gesunde Küche und der Gesunde Kindergarten. Mehr Infos unter www.gesundes-oberoesterreich.at.

Rückfragen:

OÖGKK

Mag. Harald Schmadlbauer | Tel. 05 78 07 - 10 24 01 | harald.schmadlbauer@ooegkk.at

Land OÖ

Büro LH Pühringer: Mag. Karin Weichselbaumer | Tel. 0732 / 7720 – 111 06 | karin.weichselbaumer@land-ooe.gv.at

Sozialressort: Ing. Harald Scheiblhofer | Tel. 0664 / 600 72 140 54 | harald.scheiblhofer@land-ooe.gv.at

Zentrum Spattstraße: Mag. Andrea Boxhofer | Tel. 0676 / 512 38 60 | boxhofer@spattstrasse.at

Quelle: OÖGKK / Zentrum Spattstraße