Anlässlich des Reformationsjubiläums 500 Jahre Reformation sind in Brüssel Vertreterinnen und Vertreter protestantischer Kirchen und der EU-Institutionen zusammengetroffen. Foto: Alina Zienowicz/wikimedia

Bünker: Leuenberger Konkordie erlaubt Diversität und Pluralität Brüssel (epdÖ) – EU-Politiker und Kirchenvertreter haben dazu aufgerufen, Religion als einigende statt spaltende Kraft zu verstehen. Viele Menschen beriefen sich auf Europas jüdisch-christliches Erbe, um andere auszuschließen, kritisierte der Vizepräsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, bei der Veranstaltung „500 Jahre Reformation: Europa gestalten – Veränderung wagen!“ am 7. März in Brüssel. Es müsse vielmehr um die Werte selbst gehen, die auf dem jüdisch-christlichen Erbe fußten und die den Ausschluss anderer gerade nicht förderten, sagte Timmermans.

Grundlegende Errungenschaften in Europa wurzelten in der Zeit der Reformation, erklärte Mairead McGuinness, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments. Dazu gehöre die Religionsfreiheit, die in der Würde des Einzelnen gründe. Religionsfreiheit meine Freiheit zu verschiedenen Bekenntnissen und zum Nicht-Glauben, führte die aus Irland stammende Politikerin auf der Konferenz aus, die von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) organisiert wurde.

EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm betonte, die Erinnerung an die Reformation dürfe nicht dazu führen, dass sich die Konfessionen verstärkt gegeneinander abgrenzen. Mit „Kirchentürmer-Patriotismen“ könne er nichts anfangen. „Es geht allein um Christus, das muss uns alle miteinander antreiben.“ Reformatorische Tradition zu leben müsse heißen, Grenzen zu überwinden, was für Kirchen wie für Länder gelte, meinte der bayerische Landesbischof. Bischof Michael Bünker, Generalsekretär der GEKE, erinnerte in diesem Zusammenhang an die Leuenberger Konkordie, die ein gemeinsames Verständnis dessen entwickelte, was die verschiedenen protestantischen Kirchen verbinde. Dieses gemeinsame Verständnis erlaube es, einerseits Diversität und Pluralität zu bewahren, andererseits nehme es auf die Tatsache Rücksicht, dass die meisten protestantischen Kirchen in Europa Minderheitenkirchen seien, so Bünker.

Die schwedische Erzbischöfin Antje Jackelén mahnte, alle müssten sich mit den „vier ‚P‘“ auseinandersetzen: Polarisierung, Populismus, Protektionismus und Post-Faktizität. Um diesem „gefährlichen Cocktail zu begegnen“, sei „spirituelle Nachhaltigkeit“ nötig, forderte die Theologin. In Mittelosteuropa seien heute zwei Gefahren lebendig, „die Nationalisierung der Religion“ und „die Sakralisierung der Nation“, beobachtete Tamás Fabiny, Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche in Ungarn.

Eugenio Bernardini, Moderator der Waldenserkirche in Italien, brachte zum Ausdruck, dass Vielfalt und Diversität in den letzten Jahrzehnten als ein Geschenk und eine Bereicherung in Europa entdeckt worden seien, die durchaus im täglichen Leben auch Herausforderungen mit sich brächten. Die Waldenserkirche habe gemeinsam mit ökumenischen Partnern und in Absprache mit dem italienischen Staat begonnen, humanitäre Korridore für Flüchtlinge einzurichten. Dies solle als eine Weise des Geistes der Reformation verstanden werden, um der humanitären Katastrophe zu begegnen, die sich derzeit im Mittelmeer abspiele.

Zum Abschluss der Konferenz wurde im Europäischen Parlament das Pop-Oratorium „Martin Luther: Projekt der tausend Stimmen“ aufgeführt, bevor der kürzlich gewählte Präsident des Europäischen Parlaments, Antonio Tajani, die protestantischen KirchenvertreterInnen zu einem ersten Austausch empfing.

Quelle: evang.at / epdÖ