Vom 12. bis 15. März 2015 fand in Polen die diesjährige Tagung des Exekutivkomitees der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa der Evangelisch-methodistischen Kirche statt.

Frauen und Männer aus 14 europäischen Ländern waren angereist, um über die Tätigkeit der verschiedenen Arbeitsgruppen der Zentralkonferenz nachzudenken, eigene Erfahrungen auszutauschen, einander zu ermutigen und von einander zu lernen.

Das Thema «Gottesdienst» tauchte dabei gleich zweimal auf. Einerseits hatte die Arbeitsgruppe Liturgie im vergangenen Jahr eine Umfrage durchgeführt, um die Vielfalt der Gottesdienstkulturen in den verschiedenen Ländern kennenzulernen und wesentliche Merkmale methodistischer Gottesdienste benennen zu können. An der Tagung wurde nun eine sehr umfassende Auswertung vorgestellt – und es zeigte sich, dass das Resultat durchaus repräsentativ ist, hatten doch 63% aller Gemeinden an der Umfrage teilgenommen. Wie viele Personen nehmen durchschnittlich an einem «normalen» Gottesdienst teil? Wo werden Gottesdienste gefeiert? Wie wird gesungen und gebetet? Wie lange dauert die Predigt? Welche Gottesdienst-Elemente kommen vor? Antworten auf diese und viele andere Fragen werden der Arbeitsgruppe dazu dienen, die Gottesdienstpraxis in der Zentralkonferenz begleiten und Beiträge für ihre Weiterentwicklung leisten zu können.

Andererseits nahm die Arbeitsgruppe Kinder und Jugend, neben vielen anderen Anliegen, das Thema «Gottesdienst für alle Altersgruppen» auf – und die Frage nach dem Platz von jungen Erwachsenen in den Gemeinden. Dabei wurde insbesondere die Problematik angesprochen, dass sich junge Erwachsene schwer tun, in die «normale» oder «richtige» Kirche hineinzufinden, nachdem sie als Kinder und Jugendliche jahrelang ihr eigenes Programm hatten. Die Arbeitsgruppe möchte sich – gerade auch im länderübergreifenden Austausch – für Mehr-Generationen-Gemeinden einsetzen, für einen Ort also, an dem sich auch Jugendliche wohlfühlen können.

Am Thementag, der am Samstag, 14. März 2015, stattfand, wurden diese Gedanken dann noch einmal in eine ganz andere Richtung weiterentwickelt. Es ging nicht um Gottesdienste, zu denen die Gemeinden Menschen einladen würden – vielmehr war im Zentrum der Tisch, an den Gott einlädt. Ganz besonders jene, welche an den Tischen der Gesellschaft oft keinen Platz mehr finden. Theologische Vorträge wurden dabei in Praxisbeispielen geerdet und konkretisiert.

Man kann sich fragen: Was hat der Tisch des Herrn mit Schubhaftseelsorge in Polizei-Anhaltezentren in Österreich zu tun? Mit der Begleitung von Migranten? Mit dem Engagement für Menschen mit Behinderungen in Albanien? Mit Computerkursen für autistische Kinder in Makedonien? Mit offenen Türen für Obdachlose in Bulgarien? Aber vielleicht sollte man sich auch einfach von diesen und anderen Ausdrucksformen gelebten Glaubens den Spiegel vorhalten lassen: Wozu feiern Gemeinden Gottesdienste, wenn sie nicht jenen einen Platz geben, welche Gott an seinen Tisch lädt?

Quelle: emk-schweiz.ch   Urs Schweizer, Assistent des Bischofs Patrick Streiff, Zürich

im Bild: Delegierte und Gäste des Thementages aus 14 europäischen Ländern