Am 10. April 2015 reichten sich US-Präsident Barak Obama und der kubanische Staatschef Raul Castro am Amerika-Gipfel in Panama die Hand – beobachtet von zahlreichen Journalisten und Fernsehteams. Dass es in Kuba eine Methodistenkirche gibt, die ebenfalls eine aussergewöhnliche Entwicklung erlebt, war hingegen kaum je Gegenstand einer Berichterstattung.

Das Verhältnis zwischen den USA und Kuba ist von starken Spannungen geprägt – Spannungen, die sich insbesondere im Handelsembargo manifestieren, das die USA 1962 gegen Kuba verhängten, und das sie seither mehrmals verschärften, teilweise aber auch wieder lockerten.

Auch die kubanischen Kirchen litten unter dieser Blockade. Die Beziehungen zu den Schwesterkirchen ausserhalb Kubas waren sehr stark behindert; ja, eine Unterstützung der Kirchen in Kuba wurde durch diese Blockade oft sogar verunmöglicht.

Unmittelbar vor dem historischen Handschlag in Panama hatten sich Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen vom 7. bis 8. April 2015 in Havanna (Kuba) mit den regionalen Kirchenräten Kubas, Lateinamerikas und der USA getroffen. Sie hatten im Hinblick auf den Amerika-Gipfel die Verantwortungsträger in den USA und in Kuba ermutigt, die Normalisierung der Lage voranzutreiben.

Die Wurzeln des Methodismus in Kuba reichen ins späte 19. Jahrhundert zurück. Damals waren Exilkubaner von der Methodistenkirche in den USA auf den karibischen Inselstaat gesandt worden, um dort das Evangelium zu verbreiten. 1968 erlangte die Methodistenkirche in Kuba ihre Unabhängigkeit.

Sie hatte seinerzeit noch Beziehungen zur Methodistischen Kirche in der DDR. Aber ihre Isolation wurde immer grösser. Mit der United Methodist Church in Florida, wo viele Exilkubaner wohnen, existierten und existieren jedoch familiäre und freundschaftliche Beziehungen, die sich auch über die Blockade hinweg als tragfähig erwiesen haben.

David Watson, Professor und Dekan am United Theological Seminary in Dayton (Ohio), besuchte kürzlich mit einer Gruppe von Studenten Kuba. Im Anschluss daran schrieb er einen enthusiastischen Bericht über den Methodismus in Kuba:

«Es gibt nicht genügend Worte, um zu beschreiben, was in den methodistischen Gemeinden in Kuba geschieht. Die Kirchen in den Städten und auf dem Lande sind sozusagen jeden Abend der Woche überfüllt mit Menschen, welche gemeinsam Gottesdienst feiern. (...) Menschen, welche sich über Generationen hinweg zum Atheismus bekannt haben, finden nun mit ihren Familien zu Christus. (...) Der geistliche Leiter dieser historischen Erweckung, die nun schon seit über zehn Jahren anhält und eher an Dynamik gewinnt denn abflaut, ist Bischof Ricardo Pereira. Als Visionär, guter Prediger und Evangelist beaufsichtigt er nicht nur alle Methodistengemeinden in Kuba, sondern er leitet auch die grosse Gemeinde in Havanna mit bis zu 900 Gottesdienstbesuchern.»

Die folgenden Zahlen unterstreichen Professor Watsons Aussagen über die Erweckung in Kuba: Seit 12 Jahren ist die Zahl der Mitglieder jedes Jahr um mindestens 10% gewachsen. Und gab es 1999 noch 96 Gemeindebezirke, so sind es heute mehr als 350. Dazu kommen noch etwa 700 Gemeinden, die in der Gründungsphase sind. Am Theologischen Seminar der Kirche in Havanna studieren rund 120 Pastorinnen und Pastoren. Weitere 800 bis 900 Leute, viele davon Laien, sind in einer der «Filialen» des Seminars in ein Studienprogramm eingeschrieben.

Bild: Bischof Ricardo Pereira anlässlich eines Besuchs bei der Missionsbehörde der United Methodist Church
Quelle: Bischof i.R. Heinrich Bolleter / Urs Schweizer (www-emk-schweiz.ch)