Der frühere Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Philip Potter, ist am 31. März 2015 im Alter von 93 Jahren in Lübeck gestorben. Der Methodist leitete von 1972 bis 1984 den Weltkirchenrat.

Philip Potter war der erste Vertreter aus der Dritten Welt in seinem Amt und hat die weltweite Ökumene massgeblich geprägt. Er hinterlässt seine Frau Bärbel Wartenberg-Potter, ehemalige Bischöfin in Lübeck.

Der ehemalige ÖRK-Generalsekretär habe sich um die Begleitung der Kirchen in ihrem Kampf für Einheit, Gerechtigkeit und Frieden verdient gemacht, erklärte der ÖRK in Genf. Der jetzige Generalsekretär, der Norweger Olaf Fykse Tveit, würdigte ihn als „glaubwürdigen Zeugen der Vision vom Reich Gottes und den wahren Werten von Gerechtigkeit, Frieden und Freude im Heiligen Geist“. Er habe sich besonders in die Debatten um Mission und Evangelisation in der nachkolonialistischen Zeit sowie in Fragen der Ökologie und der nuklearen Bedrohung eingebracht und das Zeugnis der Kirchen für Frieden in den Ost-West-Spannungen gefördert. Potter setzte sich unter anderem für den Kampf der Kirchen gegen die Apartheid im Südlichen Afrika und für das Antirassismus-Programm des Weltkirchenrates ein.

Ökumenisch geprägte Kindheit

Geboren ist Philip Potter auf Dominica, einer Karibik-Insel von der Grösse Hamburgs. Schon seine Kindheit war ökumenisch geprägt. Der katholische Grossvater nahm ihn sonntags mit in seine Kirche. Die alleinerziehende Mutter dagegen war überzeugte Methodistin. Seinen Namen hat er von einem befreundeten katholischen Bischof. Konfessionelle Grenzen empfand Philip schon als Kind befremdlich: "An sechs Tagen in der Woche machten wir alles zusammen, nur sonntags waren wir getrennt." Der Verstorbene war vor seiner Wahl als ÖRK-Generalsekretär unter anderem Sekretär der Methodistischen Missionsgesellschaft in England für Afrika und die Westindischen Inseln.

Philip Potter hat sein Amt immer auch politisch verstanden. "In der einen Hand die Bibel, in der anderen die Zeitung", war sein Motto. Seine Amtszeit war nicht frei von Kontroversen. Unter anderem wurde an der Vollversammlung des ÖRK 1983 im kanadischen Vancouver ein 15 Meter hoher Totempfahl mit geschnitzten indiansischen Symbolen aufgestellt. Während Evangelikale dies als einen Akt der Religionsvermischung verurteilten, verteidigte Potter die Aktion als Zeichen für den Dialog der Kulturen.

In der 65-jährigen Geschichte des des ÖRK standen bislang drei Methodisten als Generalsekretäre an der Spitze. Der 2013 verstorbene Emilio Castro aus Uruguay amtierte von 1985 bis 1992 als Generalsekretär. Der kenianische Methodist Samuel Kobia (67) war von 2004 bis 2009 Leiter der ÖRK-Zentrale in Genf.

Bild: Philip Potter mit seiner Frau Bärbel (Foto: Heinrich Bolleter, EMK-Bischof i.R.)
Quelle: www.ekd.de / www.idea.de / www.emk-scheiz.ch

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