Vom 10. bis 12. Mai 2013 trafen sich in Skopje (Makedonien) über 100 politische, religiöse und akademische Persönlichkeiten aus aller Welt, um über Freiheit und Würde als grundlegende Werte in Beziehungen auszutauschen.

Die Dritte Weltkonferenz zum Dialog zwischen Religionen und Zivilisationen wurde vom makedonischen Kulturministerium und der Kommission für die Beziehung zwischen den Religionen, in welcher auch die EMK mitarbeitet, organisiert, und von einigen internationalen Organisationen mitfinanziert, unter anderem von der UNESCO. Neben den Vertreterinnen und Vertretern der makedonischen Regierung und von religiösen Gemeinschaften Makedoniens waren fast 100 politische, religiöse und akademische Persönlichkeiten aus rund 25 Ländern eingeladen. Auch die methodistische Delegation war aus lokalen und internationalen Vertretern zusammengesetzt. Neben dem Superintendenten für den Westbalkan, Wilfried Nausner, und dem Präsidenten des Kirchenvorstandes der EMK in Makedonien, Emil Zaev, nahmen noch weitere Pastoren und Laien aus Makedonien teil. Unter den internationalen Teilnehmern gab es Methodistinnen und Methodisten aus sechs Ländern, unter ihnen Bischof John Schol aus den USA, welcher die Grüsse des Bischofsrates überbrachte, und Bischof Heinrich Bolleter, welcher als Vertreter für Bischof Patrick Streiff zur Konferenz kam. Thematisch ging es diesmal um «Freiheit und Würde als grundlegende Werte in den zwischenmenschlichen, interreligiösen und interkulturellen Beziehungen».

Der 10. Jahrestag der Friedenbotschaft, welche 2003 in Ohrid – unter der Führung des damaligen Präsidenten Boris Trajkovski – von den höchsten Vertretern der Staaten in der Region des Westbalkans verabschiedet worden war, war mit ein Anlass zur diesjährigen Tagung in Skopje. Die Spannungen zwischen muslimischen Albanern und christlich-orthodoxen Makedoniern belasten auch heute das Zusammenleben der makedonischen Zivilgesellschaft. So sollte die nun zum dritten Mal gemeinsam mit internationalen Partnern durchgeführte Konferenz unter der Ägide der UNESCO nachhaltige Lösungen für die gespannte Lage suchen. Leider wurde die Konferenz von den Vertretern der albanischstämmigen Muslime boykottiert.

Die Weltkonferenz verharrte beim Konzept der bisherigen Treffen; es dominierten also Präsentationen politischer und religiöser Leitungspersönlichkeiten Makedoniens, ergänzt durch eine grosse Zahl kurzer Reden der internationalen Gäste. Das Gespräch blieb auf die Pausen und auf die von der makedonischen Regierung arrangierten Empfänge begrenzt.

Erstmalig fand auf Einladung des makedonischen Präsidenten, Gjorge Ivanov, ein Jugendforum parallel zur Tagung statt. Das Thema lautete «Die Rolle der Religionen für die Heranbildung einer toleranten Jugend». Zum Forum waren Vertreterinnen und Vertreter aus drei Generationen geladen. Die EMK in Makedonien war mit fünf jüngeren Leuten und Bischof Heinrich Bolleter vertreten. Es ging um die Frage, wie mit jungen Menschen im «multi-religiösen, multi-ethnischen und multi-kulturellen» Umfeld gearbeitet werden könne. Wie werden Werte an die kommende Generation von Führungskräften vermittelt? Welche Rolle spielen die sozialen Netzwerke auf diesem Weg in die Zukunft? Das Jugendforum war der einzige Ort, wo ein Gespräch stattfand und auch Fragen gestellt und beantwortet wurden. Das war ermutigend. So wurde zum Beispiel der paternalistische Begriff der «Toleranz» kritisiert. Da gebe es stets solche, die «tolerieren» und solche, die «toleriert» würden, Mehrheiten, welche die Minderheiten «tolerierten». Die Gesprächsteilnehmer wollten, dass stattdessen Akzeptanz und Respekt das Miteinander der Religionen und Kulturen bestimme.

Die Dritte Weltkonferenz zum interreligiösen und interzivilisatorischen Dialog in Makedonien legte für die Weiterarbeit einen besonderen Schwerpunkt auf die Erziehung und die Wissenschaft. So soll zum Beispiel weiterhin an speziellen Lehrmaterialien zur Unterstützung der Lehrerschaft im interkulturellen Umfeld gearbeitet werden. Superintendent Wilfried Nausner wies darauf hin, dass bei der Vermittlung von Werten wie Freiheit und Würde die Aufmerksamkeit drei Bereichen gelten müsse: der Erziehung im Bereich der Familie, der Bildung in privaten und staatlichen Institutionen sowie der Pflege der Erinnerung im Geiste von Wahrheit und Liebe.

Die Weltkonferenz verabschiedete wiederum eine Deklaration. Die Teilnehmer konnten sie jedoch nicht diskutieren, sondern nur nach der Verlesung mit ihrem Votum unterstützen oder ablehnen. Interessierte werden sie demnächst auf der Website der Konferenz finden.

Die vielen persönlichen Begegnungen waren wertvoll. Das neu gestaltete Stadtzentrum von Skopje, wo auch die Konferenz durchgeführt wurde, ist voller monumentaler Hinweise auf die Geschichte Makedoniens. Es ist ein Versuch der Identitätsbildung in einer «Mosaik-Gesellschaft» und wahrscheinlich auch eine Antwort auf die fortwährende Kritik Griechenlands an der heutigen Namensgebung der ehemaligen Jugoslawischen Republik.

Quelle: Bischof i.R. Heinrich Bolleter

Bild: Blumenmarkt und Moschee in Skopje