In der Nacht von 1. auf 2. April werden auf der ganzen Welt Gebäude blau beleuchtet. Es ist ein Zeichen der Solidarität mit Menschen mit Autismus und mit deren Angehörigen.Auch das Diakonie Zentrum Spattstraße in Linz beteiligt sich an dieser Aktion, weil in verschiedenen Bereichen Kinder und deren Familien betreut werden.

„Eltern nehmen schon früh wahr, dass mit ihrem Kind etwas nicht stimmt. Z.B. wenn das Kind die Eltern nicht ansieht oder anlacht, sie nicht begrüßt und ihnen nicht zuwinkt“ beschreibt Andrea Leonhartsberger, Leiterin der Frühen Kommunikations-Förderung. Sie betreut betroffene Kinder und deren Familien. A. Leonhartsberger weiß, wie anstrengend die Erziehung eines autistischen Kindes für Eltern häufig sein kann. „wenn die Kinder z.B. wegen etwas aus der Fassung geraten, was für Außenstehende wie eine Kleinigkeit wirkt. Neue Dinge sind für sie beängstigend“.

Mit dem dreijährigen Leon, der nicht spricht, übt sie gerade mit Bildkarten. Ihr Ziel ist es, mit ihm den Einsatz sozial angemessener Kommunikationsformen zu üben, so dass er z.B. das begehrte rote Spielzeugauto nicht einfach schreiend an sich reißt, sondern vorher seine Karte mit dem Auto herzeigt und es dann bekommt.

Da Kinder mit Autismus leichter über das Sehen als über das Hören lernen, sind Zeichnungen oder Fotos wichtige Hilfsmitteln. Sie leitet die Eltern an, Fotos von Abläufen zu machen, die z.B. das Bett gehen am Abend erleichtern sollen. Ein Bild zeigt das Zähne putzen, eines das Pyjama anziehen, eines die Toilette, eines das Vorlesen einer Gute-Nacht-Geschichte. „Die Bilder geben Leon Sicherheit und machen für ihn die Struktur eines Tages verständlich, er wird zunehmend ruhiger und das tut uns allen gut“ erzählt die Mutter von Leon.

Die Eltern sind froh über diese Begleitung. „Häufig passiert es uns, dass wir von Außenstehenden als unfähig angesehen werden, nur weil unser Kind anders ist. Mit Andrea können wir über unsere Schwierigkeiten in der Erziehung und die oft blanken Nerven reden, ohne verurteilt zu werden. Ihre Tipps erleichtern den täglichen Umgang mit Leon einfach sehr.“

Carmen Aichern ist Sozialpädagogin und begleitet Kinder und Jugendliche mit Autismus im Rahmen der Sozialpädagogischen Familienbetreuung. Sie beschreibt die Situation dieser jungen Menschen so: „Kinder mit ASS haben Schwierigkeiten mit dem ‚Entziffern’ der für uns klaren Umgebung. Sie haben Mühe, den Dingen ihre Bedeutung zuzuordnen. Oft wissen sie nicht, was als nächstes kommt oder was von ihnen erwartet wird. Das stresst und macht ängstlich. Daher ziehen sich autistische Kinder häufig zurück in ihre eigene Welt oder wiederholen bestimmte Handlungen immer wieder, um so für sich Ordnung ins Chaos zu bringen“.

Mit dem achtjährigen Phillip trainiert sie seine soziale Kompetenz. Wie die meisten Kinder mit Autismus tut er sich schwer, die Körpersprache oder den Gesichtsausdruck von Menschen zu verstehen. „Das Gefühlslotto hilft mit Symbolbildern, Mimik und Gestik zu verstehen. Phillip beginnt gerade damit, die Gefühle den richtigen Bildern zuzuordnen. Für ihn ist das harte Arbeit, vergleichbar mit dem Erlernen einer Fremdsprache.“ Das Vertrauen zu ihr hat Phillip ganz langsam aufgebaut. In der ersten Einheit hat er sie scheinbar ignoriert. „Einfach Dasein war die erste Aufgabe für mich, so dass er mich sehen, hören, spüren konnte. Es gehört zur Regel, diesen Kindern nicht zu nahe zu kommen. Sie haben ein anderes Empfinden für Nähe und benötigen ihre Rückzugsbereiche. Sie brauchen Zeit, bis sie sich auf jemanden verlassen.“ Das nächste Auffällige war für Carmen der stark ausgeprägte Wille von Phillip. Viel erreicht sie daher durch Verhandlungen mit ihm. Zuerst wird das gemacht, was sie will, und dann das, was er will. Zuerst geht’s auf zum Spielplatz – einem für „normale“ Kinder meist beliebten aber von ihm gemiedenen Ort des Zusammentreffens mit anderen Kindern. Dann spielt sie mit ihm sein Lieblingsspiel.

Bei Carmen Aichern und Andrea Leonhartsberger ist spürbar, dass sie ihre Arbeit gerne machen. Die beiden Expertinnen sind sich einig darin, dass es wichtig ist, so bald wie möglich mit der Unterstützung dieser Kinder und Familien zu beginnen. „Autismus kann zwar nicht geheilt werden. Aber es ist möglich, Fähigkeiten zu erlernen, mit denen sich die Betroffenen besser in ihrer Umgebung zurechtfinden können. Die Eltern können dazu einen großen Beitrag leisten, wenn sie dementsprechend informiert und unterstützt werden.“

 

Im Diakonie Zentrum Spattstraße werden Kinder und Jugendliche mit Autismus betreut und Eltern beraten: Im Kindergarten für Dich und Mich, in der Heilpädagogischen Frühförderung, in der Frühen Kommunikations-Förderung, in der Assistenz von SchülerInnen in der Schule und im pädagogischen Alltag sowie in der Sozialpädagogischen Familienbetreuung und in der Familien- und Erziehungsberatung.

Blau beleuchtet wird in der Nacht von 1. auf 2. April ein Gebäude des Diakonie Zentrums Spattstraße in der Wienerstraße 260. Blau gekleidet präsentiert sich mit der Aktion „Light it up blue“ die Geschäftsführung – Mag. (FH) Andrea Boxhofer und Mag. (FH) Heinz Wieser, sowie das gesamte Leitungsgremium, um auf die Situation der Betroffenen hinzuweisen.

Autismus ist schwer zu diagnostizieren, weil nicht jedes Kind unter den gleichen Störungen leidet. Weil die Auffälligkeiten und Probleme sehr unterschiedlich sein können, reden Fachleute von einem ganzen Spektrum, der Autismus-Spektrum-Störung (ASS).

Quelle: Hannelore Kleiß - Diakonie Zentrum Spattstraße

Fotos: Diakonie Zentrum Spattstraße

Bild 1: GF Heinz Wieser und GF Andrea Boxhofer setzen ein Zeichen der Solidarität mit Menschen mit Autismus
Bild 2: Mag. Andrea Leonhartsberger leitet die Frühe Kommunikationsförderung im Diakonie Zentrum Spattstraße und begleitet Kinder mit Autismus.