Foto: Anna Jarvis Quelle wikipedia

Vor 111 Jahren hat die amerikanische Methodistin Anna Jarvis den Grundstein für den Muttertag gelegt. Doch schon sehr bald war ihr die Kommerzialisierung dieses Dankes ein Dorn im Auge. Sie kam sogar ins Gefängnis, weil sie dagegen protestierte.

Jarvis beschloss 1907, ihre eigene und andere Mütter in ihrer evangelisch-methodistischen Pfarrgemeinde mit einem Gedenkgottesdienst zu ehren, und legte damit den Grundstein für den Muttertag. Für jede lebende Mutter hatte sie eine rote Nelke bereit, für jede verstorbene Mutter eine weiße. Nelken waren die Lieblingsblumen ihrer Mutter, und sie wollte damit ein Zeichen der Dankbarkeit an Gott und an die Mütter setzen. Diese Intention sah sie schnell in den Hintergrund treten. 1908 wurde der erste offizielle Muttertag gefeiert - am dritten Todestag von Anna Jarvis’ Mutter Ann.

Muttertag schnell kommerzialisiert

Bereits damals witterten Handel und Gastgewerbe das Potenzial, die Dankbarkeit den Müttern gegenüber geschäftlich zu nutzen. Jarvis hatte mit ihrer Nelkenaktion Geister gerufen, die nicht mehr loszuwerden waren. Sie wollte einen Gedenktag für Mütter etablieren, nicht einen unpersönlichen Grußkarten- und Konsumtag. Sie bereute ihre „Erfindung“ und kämpfte ihr restliches Leben gegen die Kommerzialisierung an.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs hatte sich der Muttertag in den USA bereits verbreitet, in den 1920er Jahren auch in die deutschsprachigen Länder, erzählte die evangelisch-methodistische Theologin und Pastorin, Esther Handschin, in der Ö1-Sendung „Lebenskunst“.

Inhaftiert wegen Störung des Muttertags.

Jarvis habe mit allen Mitteln versucht, die Kommerzialisierung des Muttertags wieder rückgängig zu machen, so Handschin. Sie sei sogar einmal eingesperrt worden, weil sie eine Muttertagsfeier gestört hatte. Und sie habe ihr ganzes Vermögen in einem Prozess gegen die Vereinnahmung des Gedenktags verloren, weshalb die Pastorentochter 1948 verarmt starb, so Handschin..

Das Feiern des Muttertags hat sich jedenfalls gehalten, er wird in vielen Ländern am zweiten Sonntag im Mai begangen (heuer am 12. Mai). Schon Jarvis’ Mutter Ann hatte sich für Mütter engagiert und für bessere sanitäre Bedingungen für Mütter und Kinder gekämpft. Ihr Vater war methodistischer Pastor..

„Donnerstags in Schwarz“: Gegen Gewalt an Frauen.

In der methodistischen Kirche gehe es stark um eine soziale Dimension des Glaubens - ebenfalls 1908 wurde dazu ein erstes soziales Bekenntnis formuliert. Glaube solle nicht nur eine innere Angelegenheit sein, sondern sich auch im Miteinander der Menschen ausdrücken, so die Pastorin. Für Methodistinnen und Methodisten gilt in besonderer Weise, den Glauben in die Tat umzusetzen und nicht nur sonntags, sondern auch im Alltag fromm und anständig zu sein - im Sinne von Frieden und Gerechtigkeit..

Für viele Frauen ist allerdings der Alltag schwierig zu bewältigen, sie sind mit Gewalt, Problemen am Arbeitsplatz und materiellen Sorgen konfrontiert, auch in Österreich. Besonders am Herzen liegt der Pastorin Handschin daher das Engagement gegen Gewalt an Frauen. Dagegen setzt sie bereits seit 20 Jahren im Rahmen des ökumenischen Projekts „Donnerstags in Schwarz“ jeden Donnerstag ein Zeichen, indem sie dann nur schwarze Kleidung trägt.

Weltweit etwa 85 Millionen Mitglieder.

Der Methodismus entstand im 18. Jahrhundert in Großbritannien aus den reformatorischen Strömungen des Puritanismus und des Pietismus. Begründer war John Wesley. In Österreich ist die methodistischen Kirche mit etwa 1.500 Mitgliedern die kleinste der drei evangelischen Kirchen. Insgesamt gehören weltweit etwa 85 Millionen Menschen einer methodistischen Kirche an. In Österreich gibt es nach eigenen Angaben eine enge Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche AB und HB. Wie in anderen evangelischen Kirchen können auch bei den Methodisten sowohl Frauen als auch Männer Pastorin oder Pastor werden, und die Geistlichen dürfen heiraten..

Brigitte Krautgartner, Nina Goldmann, religion.ORF.at.

Quelle: orf.at.

 

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