Harold Good bei seinem Vortrag über die Situation Nordirlands: „A terrible beauty“.

Alle zwei bis drei Jahre findet die jährliche Versammlung der Charles-Wesley-Society in Europa statt. Ende Juli trafen sich die Mitglieder in Belfast/Nordirland. Darum stand die Beziehung von Charles Wesley zur irischen Insel im Mittelpunkt. Das Hauptreferat von Kenneth Newport interessierte auch viele weitere irische Methodisten. Kenneth Newport berichtete aus Tagebucheinträgen und Briefen von den beiden Reisen, die Charles Wesley auf die britische Nachbarinsel unternommen. Über die spannendsten Abschnitte mit Bemerkungen von Charles Wesley betreffend der irischen Bevölkerung konnte er allerdings nichts sagen, da diese in sogenannter Shorthand (Kurzschrift) verfasst sind und erst noch mühsam entziffert werden müssen.

Zuvor gab uns der pensionierte methodistische Pastor Harold Good einen Überblick, in welcher Weise er in die Friedensgespräche zwischen den Konfliktparteien Nordirlands involviert war. Zwischendurch bemerkte er, wie sehr ihn die Liedtexte von Charles Wesley geprägt hätten, diesen Friedensweg beharrlich und konsequent weiter zu gehen, auch wenn es dabei viele Rückschläge gegeben habe. An einem Nachmittag konnten sich die Konferenzteilnehmenden selbst einen Eindruck verschaffen, wie gespalten das Land nach wie vor ist. Besonders beeindruckend war die Begegnung mit dem nordirischen Parlamentspräsidenten, der diesen ganzen Friedensprozess miterlebt hat und als römisch-katholischer Christ in den Methodisten verlässliche Gesprächspartner gefunden hat.

Ein weiterer, detailreicher Vortrag befasste sich mit den Briefen, die an Charles Wesley geschrieben wurden und die noch erhalten sind. Im Briefwechsel mit seinem Bruder John tut sich nach 1750 eine mehrjährige Lücke auf, die auf den Streit rund um die Eheschließung von John Wesley hindeutet. Hier ist John Lenton zu danken, der in akribischer Kleinarbeit diese Briefe aufgespürt und ausgewertet hat.

Ebenso aufschlussreich war Clive Norris‘ Beschäftigung mit dem Ertrag der Wesley-Brüder aus dem Geschäft mit dem Verkauf von Liederbüchern. Nach einer Spitze im Jahr 1750 ging der Erlös aus dem Geschäft mit den Gesangbüchern bis auf eine Ausnahme im Jahr 1780 kontinuierlich zurück. Der jährliche Betrag, den Charles Wesley aufgrund seiner Heirat mit Sarah Gwynne aus dem Buchgeschäft vertraglich gesichert erhielt, wurde 1750 auf 100 Pfund festgelegt. Es darf daher die Frage erlaubt sein, ob Charles Wesley in seinen späten Jahren nicht überbezahlt war, wie ein zeitgenössischer Dichter spöttisch bemerkte. Immerhin entsprechen die 100 Pfund heute etwa einem Wert von 50.000 Pfund. Auf jeden Fall bewahrte dieser jährliche Betrag die Familie von Charles Wesley vor finanziellen Engpässen und größeren Schulden, da die Förderung der musikalischen Talente der beiden Söhne durchaus kostspielig war.

Die nächste Tagung der Charles-Wesley-Society in Europa wird voraussichtlich im Jahr 2018 in Oxford oder Umgebung stattfinden.

Esther Handschin