Bischöfin Cynthia F. Harvey (rechts) beantwortet während einer Pressekonferenz Fragen zur Bischofsratsentscheidung über den weiteren Weg der EmK. Mit auf dem Podium bei der Pressekonferenz sind ihre Bischofskollegen Bruce R. Ough (links) und Kenneth H. Carter.

Um die Einheit der EmK zu wahren und die Mission zu stärken, spricht sich der Bischofsrat dafür aus, Raum für unterschiedliche Ansichten zu schaffen.

In der zurückliegenden Woche (29. April bis 4. Mai) traf sich der internationale Bischofsrat der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) zu seiner Frühjahrstagung in Chicago im US-Bundesstaat Illinois. Vorrangiges Thema dieses Treffens war die Vorbereitung der im kommenden Jahr stattfindenden außerordentlichen Tagung der Generalkonferenz. Dort will die weltweit verfasste Evangelisch-methodistische Kirche eine Lösung in den strittigen Fragen zur menschlichen Sexualität finden.

Drei Entwürfe für die Zukunft der EmK

Der Bischofsrat beschloss nach einem intensiven Gesprächs- und Gebetsprozess, dass der Generalkonferenz-Tagung 2019 drei Entwürfe vorgelegt werden, wie der Weg in die Zukunft für die EmK aussehen könnte. Von der Kommission »Ein Weg in die Zukunft« waren diese Entwürfe entwickelt und dem Bischofsrat zur Diskussion vorgelegt worden. In der jetzt vom Bischofsrat beschlossenen englischsprachigen Vorlage sind die Entwürfe mit den Arbeitstiteln »Traditionalist Plan«, »One Church Plan« und »Connectional Conference Plan« überschrieben. Diese drei Entwürfe mit dazugehöriger ausführlicher Darstellung und einer klaren Empfehlung des Bischofsrats dienen der Generalkonferenz im kommenden Jahr als Grundlage für die anstehende Entscheidung. Für Juli ist die Veröffentlichung der gesamten Unterlagen zusammen mit einer eingehenden Beschreibung des Entscheidungsprozesses im Bischofsrat hinsichtlich aller drei Entwürfe angekündigt.

Tradition – Einheit – Verbund

Der erste Entwurf (»Traditionalist Plan«, in deutscher Übertragung etwa »Entwurf, der die bestehende Ordnung bewahrt«) hält am aktuellen Wortlaut der EmK-Kirchenordnung fest. Dabei wird Wert gelegt auf die konsequente Anwendung der bisherigen Regelungen, dass homosexuelle Handlungsweisen mit der christlichen Lehre unvereinbar sind.

Beim zweiten Entwurf (»One Church Plan«, in deutscher Übertragung etwa »Entwurf, die Einheit der Kirche zu bewahren«) wird die Einheit der weltweiten EmK trotz verschiedener Überzeugungen in der Homosexualitätsdiskussion betont. Aus den aktuell gültigen Ordnungstexten werden die Passagen entfernt, die Homosexualität ausdrücklich verurteilen und disziplinarische Maßnahmen beschreiben. Die Streichung dieser Passagen aus der weltweit verbindlichen EmK-Kirchenordnung ermöglicht den Konferenzen, dieses Thema im jeweiligen politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Kontext zu betrachten und für dafür angemessene Ordnungen zu formulieren. Ausdrücklich betont wird in diesem Entwurf, dass niemand gegen sein Gewissen gedrängt oder verpflichtet werden kann, gleichgeschlechtliche Paare zu trauen oder in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft lebende Personen zu ordinieren.

Im dritten Entwurf (»Connectional Conference Plan«, auf Deutsch etwa »Entwurf für Konferenzen-Verbünde«) wird eine umfassende strukturelle Veränderung der weltweiten EmK beschrieben. Unter dem Dach einer gemeinsamen Grundordnung und einiger gemeinsam verantworteter Arbeitsbereiche bilden sich drei oder mehr Verbünde, die sich an unterschiedlichen theologischen Grundhaltungen orientieren. Innerhalb eines solchen Verbundes werden die gegenseitige Verbindlichkeit, der Umgang in der Frage menschlicher Sexualität, die kirchliche und missionarische Arbeit im jeweiligen Umfeld und das in diesem Verbund geltende kirchliche Rechts- und Finanzwesen festgelegt.

Der Bischofsrat empfiehlt: Einheit bei größtmöglicher Freiheit

Der Bischofsrat spricht sich in seiner Empfehlung »mehrheitlich« für den zweiten Entwurf aus, der auf die Bewahrung der Einheit der weltweiten EmK zielt (»One Church Plan«). In der nach Abschluss der Bischofsratstagung veröffentlichten Pressemeldung wird darauf verwiesen, dass dieser Entwurf den Konferenzen und den Gemeinden sowie den Pastorinnen und Pastoren in größtmöglicher Weise Freiheiten einräumt. Die jeweilige missionarische und gesellschaftliche Situation kann in einer Weise berücksichtigt werden, die auch die theologischen Überzeugungen widerspiegelt. Besonders den Zentralkonferenzen in Afrika biete dieser Entwurf die Möglichkeit, in Ordnungsfragen rund um das Thema Homosexualität Autorität zu behalten und weiterhin Teil der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche zu bleiben. Bei größtmöglicher Freiheit bleibt gleichzeitig der verbindende und verbindliche Charakter der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche bewahrt.

Vielfalt ist Stärke

Der Entscheidungsprozess des Bischofsrats sei vom umfassenden Wunsch geleitet gewesen, dem von der Generalkonferenz 2016 erteilten Auftrag gerecht zu werden, »der Kirche dabei zu helfen, einen Weg in die Zukunft zu finden«, erklärte Kenneth H. Carter. Der neue Präsident des Bischofsrats wies darauf hin, dass die umfangreiche Arbeit der 32-köpfigen Kommission »Ein Weg in die Zukunft« im Bischofsrat viel Anerkennung gefunden habe. Auch die Gebetsbegleitung aus allen Teilen der weltweiten EmK habe der Bischofsrat mit großer Dankbarkeit wahrgenommen. »Wir bekräftigen, dass die Vielfalt unserer Kirche eine Stärke ist und wissen uns der Wahrung der Einheit unserer Kirche verpflichtet.«

Rückert: Beeindruckt vom geistlichen Ringen

Harald Rückert, der für die EmK in Deutschland zuständige Bischof, zeigte sich nach seiner Rückkehr aus den USA »tief beeindruckt vom intensiven geistlichen Ringen« um den weiteren Weg für die EmK. Es sei eine große Erwartung spürbar gewesen, »dass Gott uns zumindest den nächsten Schritt zeigt«. Außerdem, so Rückert weiter, habe »das gemeinsame Beten und das Wissen, dass ganz viele Menschen rund um den Globus im Gebet mit uns verbunden sind, das Taktieren, Kämpfen und Rechthabenwollen in den Hintergrund gedrängt«. Die Atmosphäre sei von aufmerksamem Hören und aufrichtigem Verstehenwollen geprägt gewesen. »Diesen neuen, zuversichtlichen Geist wünsche ich mir für die Gespräche in unseren Gemeinden und letztlich für die Beratungen der Generalkonferenz.«

Die Liebe widerspiegeln

»Wenn die Generalkonferenz diesen Empfehlungen folgt, können wir in den Zentralkonferenzen eigene Entscheidungen treffen, die uns in unseren Kontexten in Afrika, den Philippinen und Europa helfen«, erklärte Rückerts Vorgängerin Rosemarie Wenner in einem Facebook-Eintrag. Als Mitglied der Kommission »Ein Weg in die Zukunft« hat die jetzt im Ruhestand lebende Bischöfin an den vorliegenden drei Entwürfen aktiv mitgewirkt. Sie bete dafür, dass die jetzt in den Konferenzen und Gemeinden folgenden Gespräche, »in demselben Geist geführt werden, wie ich es hier erlebte: offen, von Gebet begleitet, respektvoll, immer wieder am Auftrag der Kirche orientiert, und die Liebe widerspiegelnd, die ja für uns Methodisten über allem steht«.

»Vertrauen wir unseren Bischöfen?«

Mark Holland zeigte sich über das Ergebnis der Entscheidung des Bischofsrats erfreut. Der EmK-Pastor aus Kansas City war bei der Generalkonferenz-Tagung 2016 als Delegierter der Great Plains-Konferenz, die die Bundesstaaten Kansas und Nebraska im Mittleren Westen der USA umfasst. Im Rahmen der Homosexualitätsdebatte bei der Generalkonferenz führte sein Antrag schlussendlich dazu, dass der Bischofsrat beauftragt wurde, in den strittigen Fragen zur Homosexualität für die weltweite EmK »einen Weg in die Zukunft« zu suchen. Er freut sich über die Empfehlung des Bischofsrats für den zweiten Entwurf, der die Einheit der Kirche bewahren will, und ist überzeugt, dass die Menschen in den Gemeinden »erwachsen genug« seien, um darüber »in guter Weise ins Gespräch zu kommen«. Nachdem die Generalkonferenz 2016 diesen Prozess angestoßen habe, werde die Abstimmung bei der außerordentlichen Generalkonferenz im kommenden Jahr »in gewisser Weise zu einer Abstimmung über die Bischöfe«. So äußert sich Holland jedenfalls in seinem Blog, nachdem die Entscheidung des Bischofsrats veröffentlicht wurde. Es gehe darum: »Vertrauen wir dem Urteilsvermögen unserer Bischöfe?«

Klaus Ulrich Ruof

Foto: Mike DuBose, UMNS

Quelle: emk.de