Vom 5. bis zum 9. Mai tagten die aktiven Bischöfinnen und Bischöfe der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in San Diego, Kalifornien. Am Nachmittag des dritten Tages besuchten sie die Grenze zwischen den USA und Mexiko.


Bischöfin Rosemarie Wenner fühlte sich an die Grenze zwischen beiden deutschen Staaten erinnert: "Die Teilung von Familien, die Teilung der Kirche, von Schwestern und Brüdern hier und dort, die Teilung von Wohnvierteln - das war genau gleich", sagte die Präsidentin des Bischofsrates.

Bevor die Bischöfinnen und Bischöfe zur Grenze aufbrachen, hatten sie ein volles Vormittagsprogramm: Ein US-General im Ruhestand und der Generalsekretär der Methodistischen Kirche in Großbritannien, Martyn Atkins, hielten Vorträge. Der Vormittagsgottesdienst stand unter dem Thema "Komm, gehe mit uns, die Reise ist lang". Er wurde geleitet von Patrick Streiff, dem Bischof der Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa.

Erfahrungen am Grenzzaun


Die 66 aktiven Bischöfinnen und Bischöfe aus Nordamerika, Afrika, Europa und den Philippinen erlebten am Nachmittag den westlichsten Grenzabschnitt zwischen den USA und Mexiko hautnah. Sie teilten sich in vier Gruppen, um sich an der Grenze zu treffen. Dabei wählten sie verschiedene Wege und trafen unterschiedliche Leute, von denen sie etwas lernten. Zwei Gruppen überquerten die Grenze. Eine davon besuchte eine Arbeit der Methodistischen Kirche in Mexiko.

Am späten Nachmittag trafen sich die vier Gruppen im Friendship Park (Freundschaftspark) am Grenzzaun zu einer Abendmahlsfeier. Das Brot wurde schon vor dem Aufbruch der Gruppen geteilt. Denn durch den Grenzzaun hindurch lässt sich Brot nicht hinüberreichen. Die Bischöfinnen und Bischöfe auf beiden Seiten des Zauns konnten einander sehen, miteinander singen und sprechen, aber sich nicht die Hand reichen. Es ist Personen lediglich möglich, einander durch die kleinen Löcher des massiven Zauns hindurch mit den Fingerkuppen zu berühren.

Bischöfin Minerva Carcaño vom 200 km entfernten Los Angeles sagte: "Überlegen Sie, was es bedeutet, inmitten von großem Reichtum in Armut zu leben. Betrachten Sie den Einfluss auf Familien auf beiden Seiten der Grenze. Bedenken Sie die großartige Missionsmöglichkeit, die sich der Kirche bietet." 

Pastor John Fanestil begann 2008, im Friendship Park Gottesdienste zu feiern, um Solidarität mit Familien zu üben, die sich dort treffen. "Für einige Familien ist es der einzige Ort, um Angehörige zu sehen", erklärte er.

Bischöfin Rosemarie Wenner freut sich darüber, dass "die Kirche hier an jener Grenze arbeitet. Die Gemeinde, die sich dort Sonntag für Sonntag trifft, ist ein Zeugnis, dass durch Christus und in Christus und in Gottes Liebe keine Grenze eine Bedeutung hat, weil wir wissen, dass Gottes Liebe allen Menschen gilt."

Quelle: Reinhold Parinello, emk.de