An der serbisch-kroatischen Grenze sind seit Wochen Mitglieder der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) der Grenzstadt Sid unter schwierigen Bedingungen im Einsatz, um ankommenden Flüchtlingen zu helfen. Die EU versucht indessen, mit einem am Wochenende in Brüssel beschlossenen 17-Punkte-Plan, der Flüchtlingskrise Herr zu werden.

EmK-Pastor Novica Brankov berichtet über die Lage am Grenzübergang bei Sid: "Seit dem 29. September 2015 haben wir als Gemeinde den Stand von EHO (Ecumenical Humanitarian Organisation – die EmK Serbien ist Mitglied dieser Organisation) an der Grenze zu Kroatien übernommen. Dabei arbeiten wir eng zusammen mit dem Roten Kreuz und dem UNHCR. Tagsüber verteilen wir Lebensmittel und in der Nacht warme Decken und Jacken. Zurzeit kommen täglich rund 5000 Flüchtlinge und wir verteilen pro Tag ungefähr 1 Tonne Lebensmittel. Daneben haben wir noch Kindersachen, Socken, Schuhe, Jacken und Decken vom UNHCR. In den ersten zehn Tagen haben wir als Volontäre gearbeitet. Aber jetzt bekommt jeder Mitarbeitende im Team CHF 10.- pro Tag. Das Ganze steht unter der Aufsicht von EHO. Als Kirche sammeln wir gebrauchte Kleidung und Schuhe, welche wir auch verteilen. Jetzt gerade sammelt die Gemeinde in Kisac Jacken für uns.

Es gibt Probleme an der Grenze. Diese kommen nicht von der serbischen Regierung sondern von den Kroaten. Sie haben z.B. 16 Stunden lang die Grenze geschlossen. Das bedeutet, dass über 4000 Personen bei uns vom Samstag auf den Sonntag geblieben sind. Als sie durch die Grenze gehen wollten, haben kroatische Polizeitruppen die Flüchtlinge geschlagen. Es gab viele Verletzte an der Grenze. Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen. Das hat mich sehr betroffen gemacht."

Ein 17-Punkte Plan So wie in Sid sieht es an vielen Grenzübergängen aus. Am Wochenende hat nun die EU an einem Sondertreffen in Brüssel einen 17-Punkte-Plan verabschiedet, um die Flüchtlingskrise in den Griff zu bekommen. Der Plan sieht u.a. eine Verstärkung des Grenzschutzes vor, eine verbesserte Registrierung von Flüchtlingen sowie die Einrichtung von 100‘000 Aufnahmeplätzen entlang der Balkanroute. Griechenland soll bis Jahresende 30'000 dieser Plätze schaffen. Zudem soll das Land zusammen mit dem UNO-Hilfswerk UNHCR 20'000 weitere Plätze ausbauen. Dazu sollen Griechenland und das UNHCR finanziell unterstützt werden. Die anderen 50'000 Plätze sollen entlang der Balkanroute entstehen und vor allem als Ruheorte dienen. Wo sie entstehen sollen, wird nicht festgelegt.

UNO-Flüchtlings-Hochkommissar Antonio Guterres fordert indessen: „Das Ziel ist es, ein System zu schaffen (...), in dem jene, die Schutz in Europa brauchen, sich nicht in die Hände von Schmugglern geben müssen.“ Es müsse mehr legale Einwanderungsmöglichkeiten geben und eine Umverteilung von den europäischen Aussengrenzen in alle anderen EU-Staaten.

Am Sondertreffen in Brüssel waren die zehn EU-Länder Deutschland, Österreich, Slowenien, Kroatien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Luxemburg und die Niederlande vertreten sowie die Nicht-EU-Länder Mazedonien, Serbien und Albanien.

Spenden an Connexio mit dem Vermerk „Flüchtlinge“ werden für Hilfsprojekte in den betroffenen Regionen eingesetzt oder an das methodistische Hilfswerk UMCOR weitergeleitet.

Quelle: emk-schwiz.ch, SRF, Connexio
Bild: EHO Stand am Grenzübergang bei Sid.