Eine kleine Gruppe aus der Gemeinde Salzburg machte sich am Feiertag Maria Himmelfahrt auf den Weg nach Steyr in Oberösterreich um zu erkunden, was es mit dieser „Stadt der Reformation“ auf sich hat.

Im Hinblick auf das Jubiläumsjahr der Reformation hat die GEKE (Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa) an bisher 96 Städte Europas das Label „Stadt der Reformation“ vergeben. Das zeigt, dass die Reformation eine europäische Bewegung war, die sich über ganz Europa ausgebreitet hat. Siehe auch: reformation-cities.org

Die Messer-, Motoren- und Waffenstadt Steyr hat eine reiche evangelische Vergangenheit, die schon vor der Reformation begann. Im 13. Jahrhundert ließen sich Waldenser in Steyr nieder und bildeten hier das Zentrum einer durch die Inquisition schwer verfolgten Bewegung. Zwischen dem Salzkammergut und dem Wienerwald gab es im 14. Jahrhundert an die 40 waldensische Gemeinden. 1397 wurden an die 100 Waldenser in Steyr wegen Ketzerei verbrannt, was das Ende dieser Glaubensgemeinschaft an diesem Ort bedeutete.

Als 1525 erste evangelische Predigten in der damals zweitgrößten Stadt Österreich gehalten wurden, fiel die reformatorische Botschaft auf fruchtbaren Boden. Am Ende des Jahrhunderts wurden nur noch 18 katholische Bürger in Steyr gezählt. Der Gottesdienst wurde reformiert, in der Stadtpfarrkirche gibt es ein Taufbecken mit Bildmotiven, die die evangelische Botschaft verbreiten. Die Schulbildung wurde kräftig gefördert und es wurde – wie der Jubiläumsausstellung im Stadtmuseum zu entnehmen ist – ein eigener Rechenmeister eingestellt, der den Kindern das Rechnen mit unterschiedlichen Geld-, Hohl- und Raummaßen beizubringen hatte. Nach hundert Jahren evangelischen Lebens in Steyr wurden die Gläubigen im Zuge der Gegenreformation vor die Wahl gestellt, zum katholischen Glauben zu konvertieren oder auszuwandern. Über 1000 Personen wählten die Auswanderung, sodass nach 1625 mehr als 220 Häuser in Steyr leer standen. Evangelische Auswanderer aus Steyr brachten das Handwerk des Messerschmiedens nach Solingen im Rheinland, wo die Messerwerke bis heute bestehen. Die sehenswerte Ausstellung blickt aber nicht nur in die Vergangenheit, sondern zeigt auf, wie evangelisches Leben heute in Steyr aussieht. Eine Reise wert ist auch der Stadtplatz mit seinen Häuserfassaden, ein Spaziergang entlang der Enns oder der Steyr und die verschiedenen Treppen und Stiegen dieser Stadt.

Pastorin Esther Handschin