Seit Jahren ringt die weltweite Evangelisch-methdoistische Kirche über den Umgang mit homosexuellen Menschen. Eine ausserordentliche Generalkonferenz wird in den kommenden Tagen über einen Weg in die Zukunft beraten.


Von heute Samstag bis kommenden Dienstag (23. bis 26. Februar) kommt die Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) zu einer ausserordentlich einberufenen Tagung in St. Louis, im Bundesstaat Missouri im Mittleren Westen der USA zusammen. Einziges Thema, das die 864 Delegierten beraten werden, ist die Frage, wie die weltweit verfasste Evangelisch-methodistische Kirche eine Lösung in den strittigen Fragen zur menschlichen Sexualität findet.


Die Einheit bewahren
Bei der Generalkonferenz stehen drei Vorschläge zur Diskussion, die vom internationalen Bischofsrat der EMK im Mai vergangenen Jahres veröffentlicht wurden. Vom Bischofsrat empfohlen wurde der «Entwurf, die Einheit der Kirche zu bewahren» («One Church Plan»). Aus den aktuell gültigen Ordnungstexten werden bei diesem Vorschlag die Passagen entfernt, die praktizierte Homosexualität ausdrücklich verurteilen und disziplinarische Massnahmen beschreiben. In den Sozialen Grundsätzen führt das zu sprachlichen Anpassungen in den beiden Abschnitten, die von Ehe und menschlicher Sexualität sprechen. Ausserdem wird ausdrücklich sichergestellt, dass niemand im ordinierten pastoralen und bischöflichen Dienst dazu gedrängt werden darf, gegen die eigene Überzeugung zu handeln.


Andere Entwürfe für einen Weg in die Zukunft
Neben diesem Vorschlag liegen den Delegierten ein «Entwurf, die bestehende Ordnung zu bewahren» («Traditional Plan») und ein «Entwurf für Konferenzen-Verbünde» («Connectional Conference Plan») vor. Der «Entwurf, die bestehende Ordnung zu bewahren» hält am aktuellen Wortlaut der EMK-Kirchenordnung fest. Es werden zusätzliche Abschnitte eingefügt, die die konsequente Anwendung der bisherigen Regelungen sicherstellen sollen, die auf der Einschätzung basieren, dass homosexuelle Handlungen mit der christlichen Lehre nicht vereinbar sind. Der «Entwurf für Konferenzen-Verbünde» würde zu einer umfassenden strukturellen Veränderung der weltweiten EMK führen. Unter dem Dach einer gemeinsamen Grundordnung und einiger gemeinsam verantworteter Arbeitsbereiche sind bei dieser Lösung drei oder mehr Verbünde vorgesehen, die sich an unterschiedlichen theologischen Grundhaltungen orientieren.


Gebet – Meinungsaustausch – Debatte – Beschluss
Die Konferenztagung wird zum Auftakt am heutigen Samstag ohne Diskussion und Debatten sein. Stattdessen wird ein «Tag des Gebets» stattfinden, bei dem die Delegierten sich geistlich auf die anstehenden Diskussionen einstellen werden. Der Sonntag wird von der methodistischen Praxis des im Englischen «Christian Conferencing» genannten christlichen und geschwisterlichen Meinungsaustauschs geprägt sein. Erst der Montag wird formal in parlamentarischer Plenumsdebatte über die Entwürfe und die eingegangenen Anträge diskutieren. Am letzten Konferenztag, dem Dienstag, wird die Beschlussfassung stattfinden. Bereits am 1. und 2. März wird der Vorstand der Jährlichen Konferenz (Synode) der EMK in Schweiz, in Frankreich und in Nordafrika über die Beschlüsse und weitere Entscheidungs- und Umsetzungsschritte beraten. In der darauf folgenden Woche wird das Exekutivkomitee der Zentralkonferenz über die Umsetzungsschritte im gesamten von Bischof Patrick Streiff beaufsichtigten Gebiet beraten. In der Schweiz sind ausserdem bis zur Tagung der Jährlichen Konferenz im Juni in Wettingen verschiedene regionale Treffen für die Verantwortlichen in den Kirchgemeinden geplant, in denen neben den Informationen auch erste Beratungen und Diskussionen Raum finden werden.


Klaus Ulrich Ruof, emk.de / S.F.    Bild: Mike DuBose, UMNS