Dass Regeln nicht nur eingrenzen, sondern helfen, zeigt einer der grundlegenden Texte aus der methodistischen Geschichte: »Die Allgemeinen Regeln«.

Einer der grundlegenden Texte aus der methodistischen Geschichte ist in einer neuen Auflage erschienen: »Die Allgemeinen Regeln«. Zusammen mit einer Gruppe von Studenten der Theologischen Hochschule Reutlingen (THR) der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) hat die dort lehrende Professorin für Kirchengeschichte eine Neuübersetzung der »Allgemeinen Regeln« John Wesleys publiziert. »Für die beteiligten Studierenden war das ein toller Ansporn«, erklärt Ulrike Schuler, die im Rahmen ihrer Professur für Kirchengeschichte auch das Spezialgebiet »Methodismus« unterrichtet.

Die Entstehung der »Allgemeinen Regeln« reiche in die Anfänge der methodistischen Erweckungsbewegung in England im 18. Jahrhundert zurück, erklärt Schuler. Damals hätten die Menschen wissen wollen, wie sie ihr Leben positiv gestalten können. John Wesley, der Initiator der Erweckungsbewegung, habe ihnen daraufhin drei Regeln an die Hand gegeben: »Nichts Böses tun – Gutes tun – in der Liebe Gottes bleiben«. Weil das einfach klinge und doch herausfordernd sei, habe das zum Buchtitel »herausfordernd einfach« geführt, gibt die Professorin Einblick in die Entstehungsgeschichte der Überschrift. Im Interview mit der EmK-Kirchenzeitung »unterwegs« erklärt die promovierte Kirchenhistorikerin auch, warum in einer Zeit des Individualismus die Auseinandersetzung mit Regeln eine Rolle spiele. Anlass seien Fragen nach Orientierungshilfen für den Glauben, die von Menschen in den Gemeinden gestellt würden. Da könnten Regeln Impulse geben, »weil es dabei um Anregungen oder Fragen geht, über die ich nachdenken muss und mit deren Unterstützung ich meine christliche Lebensführung in den Alltag umsetzen kann«. Diese Regeln haben zur Zeit ihrer Entstehung vor über 250 Jahren zu weitreichenden gesellschaftlichen Veränderungen wie der Abschaffung der Sklaverei geführt. Darum ist die Herausgebergruppe überzeugt, »dass sie auch heute noch ihr großes Potential entfalten können«, wie es im Vorwort heißt. Deshalb seien die Regeln »zeitgemäß« übersetzt und mit einer praktischen Auslegung der »Allgemeinen Regeln« des unlängst verstorbenen US-amerikanischen EmK-Bischofs Rueben Job ergänzt worden.

Entstanden war dieses Projekt innerhalb eines Methodismus-Seminars, in dem sich die Studenten mit bedeutenden Texten aus der methodistischen Geschichte auseinandersetzen. »Dabei wird den Studierenden oft viel deutlicher, was Lehre und Leben miteinander zu tun haben«, beschreibt Schuler den besonderen Wert eines Seminars im Studienplan der Hochschule. In diesen Seminaren würden gerade auch methodistische Kernthemen bearbeitet, zu denen aus Gemeinden oft nach gut verständlicher Literatur gefragt werde. Wenn daher Lehre und Praxisbezug so zusammenfinden, profitiere die Hochschule und die Gemeinde, so Schuler. Sie hofft, dass diese Veröffentlichung dazu beiträgt, »ein vertieftes Glaubensleben zu führen und die Erfahrungen in der Gemeinschaft mit anderen zu teilen«.

Quelle: emk.de, Klaus Ulrich Ruof, Foto: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Weitere Informationen
»herausfordernd einfach« – 3 Regeln, die das Leben verändern.
Die Allgemeinen Regeln John Wesleys.
Broschur, 52 Seiten. 6,90 Euro. ISBN 978-3-940463-27-2
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