Der Tod von 71 Flüchtlingen im Laderaum eines LKW auf der Ostautobahn hat nach unzähligen Toten in Mittelmeer und auf den anderen Flüchtlingsrouten nach Europa viele aufgeschreckt. Zum ersten Mal fand eine solche Flüchtlingstragödie im eigenen Land statt. Wir beklagen den Tod dieser Menschen, die bei uns Schutz und Hilfe gesucht haben. Es ist erschütternd zu sehen, welches Unheil und Leid die Abschottung der sogenannten Wertegemeinschaft EU provoziert. Wenn es für Kriegsflüchtlinge keine Menschenrechte und keine Würde gibt und Asyl nur unter Lebensgefahr gesucht werden kann, erodiert das Friedensprojekt Europa. Reflexartige Schuldzuweisungen und der Ruf nach höheren Grenzzäunen helfen nicht weiter. Und es ist verwerflich, wer diese Situation für Angst- und Panikmache unter der eigenen Bevölkerung ausnützt.

Schon seit langem fordern die Kirchen legale Wege für Kriegsflüchltinge in die EU und das Außerkraftsetzen von Dublin III, das nicht funktioniert. Es ist außerdem eine Illusion auf eine europäische Lösung zu warten. Österreich muss jetzt handeln, Kriegsflüchtlinge willkommen heißen, menschenwürdig behandeln und keine Abschiebungen mehr nach Italien, Griechenland und in andere osteuropäische EU-Länder vornehmen. Unabhängig davon muss weiter nach einer solidarischen EU-Lösung auf diplomatischen Wegen gesucht werden. Denn eines scheint klar zu sein, der Flüchtlingsstrom nach Europa wird nicht weniger werden.

Superintendent Lothar Pöll, Evangelisch-methodistische Kirche