„Höchste Wertschätzung für den anderen und Wahrhaftigkeit“ seien Voraussetzungen für das ökumenische Gespräch. Das betonte der methodistische Superintendent und ÖRKÖ-Vorsitzende Lothar Pöll bei einem ökumenischen Gottesdienst in der Leopoldkapelle des NÖ Landhauses in St. Pölten. Die Verschiedenheit der christlichen Konfessionen gehöre „ein Stück weit zur Kirche dazu“, so Pöll. Sie könne auch zum Segen werden, „wenn wir unsere Gaben austauschen uns am Reichtum der jeweils anderen erfreuen“.

Symbolisch tauschten die Vertreter der verschiedenen Konfessionen Gaben aus, die für die jeweilige Kirche eine besondere Bedeutung haben: Die evangelischen Kirchen legten eine antike Bibel aus dem 16. Jahrhundert auf den Altar, die russisch-orthodoxe eine Christus-Ikone und die römisch-katholische ein Weihrauchfass, das für Liturgie und Anbetung stand.

Im weltweiten Motto der diesjährigen Weltgebetswoche „Ist den Christus zerteilt?“ aus dem ersten Brief an die Korinther des Apostels Paulus begegne uns „apostolischer Ärger über Spaltungen“, führte Pöll aus. Obwohl die christliche Gemeinde Korinths nicht sehr groß gewesen sein kann, habe es in der griechischen Hafenstadt „bereits vier Konfessionen gegeben“. Doch trotz der Spaltung habe Paulus die Gemeinde in seinem Brief „Kirche Christi“ und sogar „Heilige“ genannt. Weil Paulus die Gemeinde liebte, habe er „die Differenzen nicht zugedeckt“, sondern direkt angesprochen, so Pöll. Aufgrund der „Treue Gottes“ sei der Apostel zuversichtlich gewesen, dass die Gemeinde Bestand haben werde.

Wie es Paulus der Gemeinde in Korinth empfahl, so sollten „Taufe und Kreuz uns an die Einheit erinnern“. Diese Einheit sei „bereits vorgegeben, wir müssen sie uns nicht erst schaffen“, wie Pöll betonte. „Wir sind nicht auf eine Konfession getauft, sondern auf den Namen des dreifaltigen Gottes. Christus ist nicht für eine bestimmte Konfession gestorben und auferstanden, sondern für alle, die an ihn glauben.“ Im Angesicht des Gekreuzigten gebe es, so Pöll, nur eine Unterscheidung: in diese, die an das Kreuz glauben, und in jene, denen „das Kreuz eine Torheit“ ist.

Lothar Pöll ist Vorsitzender der Ökumenischen Rate der Kirchen in Österreich und Vorsitzender des Ökumenischen Arbeitskreises NÖ-West. Dem Gottesdienst im Rahmen der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen standen weiters vor: Ordinariatskanzler Gottfried Auer und Prorektor Josef Kreiml (römisch-katholisch), Superintendent Paul Weiland (evangelisch-lutherisch), Pfarrer Robert Freihsl (altkatholisch) und Diakon Johann Krammer (russisch-orthodox).
Musikalisch gestalteten die Feier der Kirchenchor Neidling unter der Leitung von Gerlinde Scharl und Angelika Beroun-Linhart (Orgel).

Quelle und Bildquelle: Diözese St. Pölten

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